[Rezension] Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück

Kunst kann verstören, oder auch verzaubern. Sie kann polarisierend sein, oder auch Menschen zusammenführen. Für Peggy Guggenheim zählt am Ende jedoch nur eins: Kunst ist wahre Leidenschaft. Im Roman „Peggy Guggenheim und der Traum von Glück“ geht es um genau diese Leidenschaft einer beeindruckenden Persönlichkeit, die einen regelrechten Schatz hinterlassen hat: die Guggenheim-Museen.

Titel: Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück

Autorin: Sophie Villard

Verlag: Penguin

Preis: 13,00 € (Paperback)

ISBN: 978-3-328-10488-9

Mit dem Roman tauchen wir ab in die Geschichte und das Leben von Peggy Guggenheim. Sie stand jahrelang im Schatten ihres Mannes Laurence, von dem sie sich dann jedoch getrennt hat. Nun möchte sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen, sich von den Männern lösen und als selbstbewusste Frau auftreten. Ihre Leidenschaft für die Kunst bestimmt ihr Leben und ihr größtes Ziel ist, sich dort zu verewigen. Nicht als Künstlerin, aber als Ermöglicherin der Kunst. Der Roman zeigt ihre Station in London, als sie dort die Galerie Guggenheim Jeune eröffnet. Dann führt er uns wieder zurück nach Paris und schließlich nach Südfrankreich, als der Krieg langsam Einzug findet. Der Schrecken dieser Zeit wird zum allherrschenden Thema in Peggys Leben. Sie will nicht nur ihre Familie schützen, sondern auch unbedingt ihre Kunstsammlung, die sie sich mit der Zeit aufgebaut hat. Mit diesen Werken eröffnet sie schließlich ihr weltweit bekanntes Museum „The Art of This Century“ in Manhattan, New York.

Für mich persönlich war es etwas irritierend, von ihrem luxuriösen Lebensstil zu lesen. Sie isst in einer Bar noch gemütlich Hummer, während andere Menschen auf der Straße Zuflucht gesucht haben, um von dort aus auf die Möglichkeit zur Ausreise zu warten. Dadurch dass sie sich hier nicht für die Beseitigung dieser Missstände eingesetzt hat, sondern anstatt dessen nur die Kunst im Kopf hatte, hat sie bei mir etwas an Sympathie einbüßen müssen.

Leider blieben auch sonst die großen Gefühle bei mir aus und ich konnte mich wenig in Peggy oder andere Protagonisten hineinversetzen. Es war zwar nicht so, als würde ich das Buch gelangweilt beiseite legen wollen – aber es hat mich auch nicht gefesselt. Es war interessant, informativ. Von großen Emotionen kann jedoch nicht die Rede sein. Gerade bei Peggy ging es meist nur um Liebesgeschichten und Liebeleien – leider hat sowohl dies als auch ihre Sprunghaftigkeit Peggy schwach wirken lassen. Es brauchte nur ein durchdringender Blick und sie war sofort hin und weg. Peggy Guggenheim war jedoch eine bewundernswerte und vor allem starke Frau. Diese Seite von ihr kam mir doch etwas zu kurz. Es ist absolut richtig, auch ihre Schwächen zu zeigen und sie somit „menschlicher“ darzustellen, doch das, was sie am Ende ausgemacht hat, kam für mich nicht allzu gut rüber.

Besonders gut gefallen haben mir hingegen die Szenen, die in Paris gespielt haben. Die Schönheit dieser Stadt und die Besonderheiten waren so gut beschrieben, als wäre ich selbst gerade beispielsweise im Café de Flor gesessen und hatte einen Café au lait getrunken. Diese lebhafte Beschreibung hat an den anderen Orten zunächst etwas gefehlt, was jedoch im Nachhinein einen passenden Kontrast geschaffen hat: die glorreiche Zeit in Paris und die schwierige Zeit im nahenden Krieg danach.

Alles in allem war es ein interessantes Buch, mit ein paar Ecken und Kanten. Dennoch hinterlässt es bei mir das Bedürfnis, mich noch näher in die Geschichte von Peggy Guggenheim einzulesen. Aus diesem Grund würde ich das Buch empfehlen.

Verfasst von

Komm mit in meine kleine, bunte Welt! Ich lass dich an meinen Gedanken über das Leben teilhaben und stelle dir meine neuesten Bücher vor. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

2 Kommentare zu „[Rezension] Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück

  1. Hallo Janne,
    vorab erst einmal danke für dein Like auf meinem Blog!
    Wenn Du dich wirklich noch etwas mehr in die ziemlich abgehobene Welt der Peggy Guggenheim und ihre Persönlichkeit einlesen möchtest, habe ich einen Tipp für dich. Noch recht neu ist ein ziemlich gut recherchiertes und gut lesbares Buch der englischen Biographin Judith Mackrell: Der unvollendete Palazzo (dt. 2019 bei Insel). Darin zeichnet sie die Lebensgeschichten dreier sehr gut betuchter Frauen nach, die nacheinander Besitzerinnen des Palazzo Venier in Venedig wurden. Die letzte in der Reihe war Peggy G. Der Palazzo ist bis heute Sitz und Museum der „Collezione Guggenheim“.
    Mit Frau Guggenheim ging es mir darin übrigens ähnlich wie dir, sie war schon eine ziemlich eigenartige Gestalt. (Sehr viel schillernder, hat mir in diesem Buch die völlig durchgeknallte Marchesa Luisa Casati Stampa di Soncino Vergnügen bereitet, die den Palazzo um 1910 kaufte, um unabhängig von ihrem ausschließlich an der Jagd interessierten Mann ihre Leidenschaft zur Selbstinszenierung und -stilisierung ausleben zu können.)
    Die drei Skizzen Mackrells lesen sich über weite Strecken romanhafter als mancher Roman.

    Gefällt 3 Personen

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