[Rezension + Interview] Wilder Wald

Was wäre, wenn der Mensch nicht mehr in die Natur eingreifen würde? Wenn die Natur einfach Natur sein kann, ohne Auflagen, wie sie auszusehen, oder sich entwickeln zu hat? Fragen, die sich mit rein theoretischen Überlegungen nicht leicht beantworten lassen. Deshalb muss man ins Tun kommen – und das beste Beispiel hierfür ist der Nationalpark Bayerischer Wald: Kein Eingriff durch den Menschen, die Natur Natur sein lassen. Mit dieser Philosophie entwickelte sich eine beeindruckende Artenvielfalt. Nun ist es 50 Jahre her, dass der Nationalpark ins Leben gerufen wurde. 5 Jahrzehnte, in denen viel passiert ist. Mit diesem Anlass haben der Fotograf Rainer Simonis und die Autorin Alexandra von Poschinger ein Buch geschaffen, das seinesgleichen sucht.

Rezension des Buches

Titel: Wilder Wald: Europas Pionier für die Wälder der Zukunft

Autorin: Alexandra von Poschinger
Fotograf: Rainer Simonis

Verlag: Knesebeck

Preis: 40,00 € (farbiger Bildband)

ISBN: 978-3-95728-409-9

Copyright © Knesebeck Verlag

Bei „Wilder Wald“ handelt es sich nicht nur um einen reinen Bildband, auch wenn die Fotos einfach atemberaubend sind. Es ist vielmehr eine Komposition aus Bild und Text, die einen harmonischen Gesamteindruck hinterlassen. Fotografien der beeindruckenden Natur werden mit informativen Texten zum Nationalpark sowie Interviews interessanter Personen ergänzt. Der 50-jährige Geburtstag des Nationalparks Bayerischer Wald ist der perfekte Anlass für dieses Buch und dennoch ist es eben nicht nur eine Hommage, sondern mehr. Es ist ein umfassendes Werk zum aktuellen Stand der Forschung, das den Leser aufweckt und ihn zum Nachdenken anregt. Wie gehen wir mit der Natur um? Was können wir verändern? Wie ginge es der Natur ohne uns? Dass UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall das Vorwort von „Wilder Wald“ verfasst hat, zeigt einmal mehr, welche große, auch internationale Relevanz dieses Buch, ja das gesamte Projekt, besitzt.

Die Gestaltung des Einbandes ist schon sehr gelungen und vermittelt einen ersten Eindruck, welche Fotos einen im Inneren noch erwarten werden. Und ich kann versprechen: Ihr werdet nicht enttäuscht. Die Fotos fangen ganz besondere Momente ein. Immer wieder habe ich gestaunt, was für eine wunderschöne Natur wird doch hier haben. Theoretisch war mir das schon bewusst, aber es so noch einmal vor Augen geführt zu bekommen, war eine sehr schöne Erfahrung.

Ich kann euch das Buch wirklich sehr empfehlen – als Geschenk für Naturbegeisterte, für noch Wachzurüttelnde, oder als Geschenk für euch selbst. Es ist fast schon ein Standardwerk, das seinen festen Platz in meinem Buchregal finden wird.

Heute habe ich sogar noch etwas ganz Besonderes für euch. Ich durfte mit Alexandra von Poschinger ein Interview zu Ihrem Buch führen. Ihr kommt nun also nicht nur in den Genuss einer Rezension, sondern auch eines Interviews. Vielleicht müsst ihr, wie ich auch, erst einmal lernen, was der Nationalpark ist und was ihn vom Bayerischen Wald unterscheidet. Doch es wartet auf euch noch mehr. Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

Interview mit der Autorin

Copyright © Daniela Blöchinger
  • Sie haben sich nicht nur in den letzten Jahren intensiv mit dem Bayerischen Wald auseinandergesetzt, dessen Philosophie an sich schon besonders ist („Natur Natur sein lassen“). Was macht den Nationalpark für Sie persönlich so wertvoll?
    Nicht im gesamten Bayerischen Wald herrscht das Motto „Natur Natur sein lassen“ vor, sondern nur im Nationalpark Bayerischer Wald – dort dafür aber kompromisslos. Zu sehen, wie sich Natur aus sich selbst heraus entwickelt, ist toll. Der Nationalpark ist Lernort und Freiluftlabor gleichermaßen.

  • Wie sind Sie auf den Titel „Wilder Wald“ gekommen? Ist der Bayerische Wald das, wild?
     Wie gesagt: Nicht der gesamte Bayerische Wald ist wild. Der überwiegende Teil wird bewirtschaftet. Aber auf den knapp 25.000 Hektar des Nationalparks findet sich ein wilder Wald mit urwaldähnlichen Strukturen. Dort darf sich der Wald ungehemmt entwickeln, weitgehend ohne den Einfluss des Menschen. Der Buchtitel „Wilder Wald“ war damit naheliegend.

  • Was fasziniert Sie am meisten im Nationalpark Bayerischer Wald? Die Bäume, die Blumen, die Tiere etc.?
    Es ist wohl eine Kombination aus allem – wenngleich mich die alten, knorrigen Bäume am meisten faszinieren. In einem Urwaldrest des Nationalparks steht eine 600-jährige Weißtanne. Sie ist die älteste Tanne Deutschlands, und allein der Umfang ihres Stamms misst sieben Meter. Man mag sich gar nicht ausmalen, was dieser Baum schon alles erlebt hat.

  • Wann suchen Sie persönlich den Wald auf?
    Ich wohne ja im Bayerischen Wald und in München gleichermaßen. Wenn ich nicht in der Stadt bin, gehe ich fast täglich in den Wald. Dort stoße ich ganz häufig auf Lösungen, wenn ich in einem Projekt nicht weiterkomme. Im Übrigen ist auch die Idee zu meinem Buch im Wald entstanden.

  • Was haben Sie für sich aus Ihrer Arbeit darüber gelernt, wie wir in Zukunft mit der Natur umgehen sollten? Was haben Sie in Ihrem Alltag dadurch verändert?
    Der Nationalpark Bayerischer Wald zeigt, dass das Projekt Wildnis aufging. Obwohl der Park nur 0,07 Prozent der Fläche Deutschlands einnimmt, leben dort 20 Prozent aller hierzulande heimischen Arten. Die Biodiversität profitiert, weswegen ich auf weitere Großschutzgebiete in Deutschland, Europa und der Welt hoffe. An meinem alltäglichen Verhalten hat die Arbeit am Buch nichts verändert. Ich habe mich auch vorher schon viel mit Natur-, Umwelt- und Klimaschutzthemen auseinandergesetzt.

  • Haben Sie Tipps für unseren Alltag – also was wir einzelne Personen tun können?
    Der Schutz der Umwelt geht uns alle an, und ich denke, jeder kann seinen Beitrag dazu leisten – wie klein auch immer er sein mag. Da genügt es oft schon, Honig vom regionalen Imker zu kaufen und nicht aus dem Supermarktregal. Denn wenn die Biene ausstirbt, sind die Folgen für uns Menschen fatal.

  • Welche der 20 Personen, die Sie in „Wilder Wald“ zu Wort kommen lassen, hat den größten Eindruck bei Ihnen hinterlassen? Wieso können sich die Leser besonders auf dieses Interview, diese Geschichte freuen?
    Jeder meiner Interviewpartner war auf seine eigene Art faszinierend, aber ganz besonders spannend fand ich das Gespräch mit dem Astronauten Gerhard Thiele. Er schwärmte von der glitzernden Schwärze des Alls, die etwas Heimeliges, Tröstliches habe.

  • Sie selbst sagen: „Für mich ist [der Wald] ein Ort, an dem die Zeit relativ ist. Dort kann man gar nicht pünktlich sein, weil man nie weiß, was passiert.“ (Zitat aus Einleitung) Spazieren im Wald ist gesund, tut uns gut – wir sollten es also öfter tun. Aber wie schaffen wir es, diese Wohltat nicht zu einem weiteren Pflichttermin werden zu lassen?
    Indem wir den Waldspaziergang zu einem festen Termin auf unserer To-Do-Liste machen – auch wenn uns der Schweinehund lieber am Schreibtisch oder auf der Couch festhalten möchte. Man muss ihn einfach mitnehmen in den Wald und dort Gassi führen.

  • Wie kann man als Privatperson den Bayerischen Wald am besten erfahren?
    Der Bayerische Wald ist touristisch fabelhaft erschlossen. Gerade in der Nationalparkregion finden sowohl Ruhesuchende als auch Erlebnisfreaks maßgeschneiderte Angebote. Da ist für jede Vorliebe und für jeden Geldbeutel das Passende dabei – auch, was Hotels und Gastronomie angeht.

  • Das Schreiben eines Buches bedeutet auch, mehrere Stunden in einem Raum zu sitzen, der wenig bis gar nichts mit dem Thema des Buches zu tun hat. Wie haben Sie Ihren Schreibprozess gestaltet – sind Sie im Wald vor Ort gewesen? Oder haben Ihnen Fotos gereicht, um sich in die Stimmung zu versetzen?
    Ja, das Schreiben ist eine einsame Tätigkeit. Aber es ist auch mein Beruf – und somit mein Alltag. Am Anfang einer jeden Geschichte steht immer eine umfassende Recherche. Dazu trifft man Menschen zum Gespräch, geht raus in Gegenden, über die man schreiben möchte – in meinem Fall über den Nationalpark Bayerischer Wald. Ich habe dort knapp zwei Jahre lang Informationen gesammelt, notiert, sortiert und fotografiert, um daraus ein Gerüst zu bauen, das ein ganzes Buch trägt. Erst danach kam der Schreibprozess, der natürlich im Büro, am Computer stattfinden muss. In dieser Phase schöpfe ich aus den vorher zusammengetragenen Informationen und Bildern und lasse mich möglichst wenig ablenken.

Vielen Dank für dieses Interview, liebe Alexandra von Poschinger!

Mehr zur Autorin findet ihr hier: Alexandra von Poschinger

Mehr zum Buch beim Knesebeck Verlag hier: Wilder Wald

Verfasst von

Komm mit in meine kleine, bunte Welt! Ich lass dich an meinen Gedanken über das Leben teilhaben und stelle dir meine neuesten Bücher vor. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

2 Kommentare zu „[Rezension + Interview] Wilder Wald

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