Ein Paar und Psychische Erkrankungen. Wieso es sich lohnt zu kämpfen

Das Leben verläuft in ziemlich unebenen Bahnen. Wacklig ist es manchmal, auch wenn die Aussicht immer wieder für den schwerfälligen Weg belohnt. Aber gerade in Beziehungen ist die Versuchung oft groß, wenn es dann doch zu sehr holpert, einfach auszusteigen und sich ein neues Vehikel zu suchen, mit dem es dann weiter auf die Reise geht.

Zu einfach manchmal. Eine Beziehung zu führen ist in den allermeisten Fällen erst wunderschön und leicht, um dann kompliziert und auch mal anstrengend zu werden. Erst mit der Zeit werden Macken zu Störfaktoren, die man zu Beginn oft als eine süße Eigenheit gemocht hatte. Der Alltag klopft an der Tür und bringt viele Probleme mit sich. Wer ist für was im Haushalt zuständig, wer kümmert sich um dieses, wer um jenes.

Dann gibt es aber auch noch die Paare, die auf eine viel größere Probe gestellt werden. Es kann eine schwere Krankheit sein, ein Schicksalsschlag, der nur mit Mühe zu verkraften ist, oder andere Probleme. Echte Probleme – nicht die dreckige-Socken-Müll-runterbringen-Probleme. Die dürfen auch da sein, keine Frage. Aber sie sollten nicht entscheidend für eine Beziehung sein. Aber die Probleme, von denen ich hier sprechen möchte, können es sein. Es geht um psychische Erkrankungen in einer Partnerschaft. 

TRIGGERWARNUNG: In den folgenden Abschnitten geht es um psychische Erkrankungen. Sollte dies für dich ein sensibles Thema sein, dann pass bitte auf dich auf und lese nicht weiter, oder suche dir jemanden, mit dem du den Beitrag gemeinsam lesen kannst. ❤

Psychische Erkrankungen in Beziehungen

Eine psychische Erkrankung, wie beispielsweise Depression, ist ein harter Brocken für ein Paar – ganz gleich wie lang es bereits zusammen ist. Ich stelle mir eine psychische Erkrankung gerne wie eine Art Teufelchen vor, das auf einer Schulter der betroffenen Person sitzt. Sie flüstert dieser Person kontinuierlich richtig böse Sachen ins Ohr. Manchmal geht es sogar so weit, dass die Person gar nichts anderes mehr hören kann, als diese Worte des Teufelchens. Doch das ist nicht die Person selbst. Es ist eine Krankheit. Dieses Teufelchen, die psychische Erkrankung, ist eine Krankheit.

Die Herausforderung ist jedoch, dass nun auch der Partner sein Gegenüber nicht mehr wiedererkennt. Dieses Teufelchen ist irgendwann so laut, dass eine Beziehung gar nicht mehr möglich ist. Diese Person, in die man sich verliebt hatte, ist gefühlt gar nicht mehr vorhanden. Wer auch immer in genau so einer Situation steckt: Traut euch darüber zu reden und eure Sorgen mitzuteilen! Euer Partner hat es sehr schwer, aber ihr auch. Es geht um euch beide.

Erst einmal soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass jede Person, die an einer psychischen Erkrankung leidet, Hilfe verdient hat und sie sich auch am besten wirklich holt. Damit ist nicht zu spaßen und ebenso wenig lassen sich psychische Erkrankungen mal eben alleine therapieren. Das bedarf viel Zeit und Kraft.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hart eine psychische Erkrankung sein kann – sowohl als Partnerin als auch als Betroffene. Ich hätte selbst nie gedacht, dass dieses Thema mal so präsent in meinem Leben sein wird, aber es ist nun so. Und ich möchte euch allen da draußen Mut machen. Es lohnt sich zu kämpfen, auch wenn die Beziehung aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht mehr das ist, was sie einmal war.

Der Mensch, der gerade noch vom Teufelchen verdeckt wird, ist immer noch da! Ich persönlich habe mich aus Selbstschutz von meinem Partner zunächst distanzieren müssen, um dann wieder gestärkt zu ihm zu finden. Die Anfangszeit war sehr schwierig. Wir haben uns sehr gefreut, uns wieder sehen zu können, aber alles wirkte so zerbrechlich, fast schon unwirklich. Erst die Zeit hat uns gelehrt: Wir haben tatsächlich eine so harte Zeit vorerst überstanden und sind gewappnet für alles, was noch kommen wird. Es ist nicht perfekt, die psychische Erkrankung hat sich nicht einfach in Luft aufgelöst. Aber ich bin unfassbar froh, dass wir diesen Weg gegangen sind, denn nun ist mein Partner einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden, mit dem ich wirklich alles teilen kann. Wir bauen uns gegenseitig auf und reden viel tiefgreifender über manche Themen – eben weil wir wissen, wie wichtig die Kommunikation insbesondere bei einer psychischen Erkrankung ist. Manchmal ist ein bestimmtes Verhalten rein rational erst einmal nicht zu verstehen. Wenn man aber weiß, woher das Verhalten kommt, dann lässt sich viel leichter Verständnis oder zumindest Akzeptanz dafür aufbringen.

Es lohnt sich wirklich zu kämpfen und Beziehungen trotz mächtig erscheinenden Problemen weiterzuführen, oder ihnen eine neue Chance zu geben.

Gedanken, die helfen können

Was für dich wichtig ist, wenn du selbst betroffen bist:

  • Du bist liebenswert, auch wenn du eine psychische Erkrankung hast.
  • Du bist keine Belastung, sondern ein wertvoller Mensch.
  • Du hast deinen Partner verdient. Wenn er damit nicht zurechtkommt oder sich mit deiner Erkrankung nicht auseinandersetzen will, dann ist das sein Weg. Aber du musst nicht perfekt sein, um eine Beziehung führen zu dürfen.
  • Deinem Partner kann irgendwann auch ein Schicksalsschlag widerfahren – dann kannst du für ihn da sein. Nur, weil gerade du die Person mit der Erkrankung bist, heißt das nicht, dass sich die Rollen irgendwann tauschen können.
  • Suche dir Hilfe, du musst das nicht alleine durchstehen.
  • Stoße deinen Partner nicht von dir, sondern beziehe ihn ein. Teile so viel, wie du teilen kannst. Öffne dich und zeige deinem Partner, dass du selber kämpfst.

Was für dich wichtig ist, wenn du der Partner einer betroffenen Person bist:

  • Du kannst deinen Partner nicht heilen, das ist nicht deine Aufgabe.
  • Du kannst deinem Partner helfen, mit der Erkrankung klarzukommen, aber du musst damit nicht alleine bleiben.
  • Dein Partner erwartet nichts von dir, außer einfach nur da zu sein.
  • Es ist eine Zeit, die vorübergehen wird und einfach werden wird.
  • Denke daran, wie dein Partner wirklich ist – schaue hinter das Teufelchen.
  • Zeige deinem Partner, dass du an ihn glaubst.

Wenn ihr gerade zu kämpfen habt, dann nutzt bitte folgenden Hilfestellen:

Disclaimer: Ich bin keine Therapeutin und gebe keinen medizinischen Rat. Es geht hier um das Teilen von eigenen Erfahrungen und meine Meinung ist rein subjektiv.

Verfasst von

Komm mit in meine kleine, bunte Welt! Ich lass dich an meinen Gedanken über das Leben teilhaben und stelle dir meine neuesten Bücher vor. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

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