[Rezension] Der unsichtbare Garten

Wie wäre es, wenn du von einem Tag auf den anderen in völliger Dunkelheit leben musst? Keinen Sonnenuntergang mehr sehen können, nicht mehr in die Augen deiner Liebsten blicken können, nicht mehr den Schnee in der Sonne glitzern sehen können?

Vincent passiert genau das. Mit 35 Jahren erfährt er, dass er an einer seltenen Erbkrankheit leidet und ihm nur noch wenige Wochen mit Augenlicht bleiben. Seine Welt, wie er sie bisher kannte, bricht auf einen Schlag zusammen. Er muss seine große Leidenschaft, das Tennis, aufgeben und verliert Freunde und Freundin. Dieser Schicksalsschlag ist hart und er verzweifelt schier daran.

Titel: Der unsichtbare Garten

Autorin: Karine Lambert

Verlag: DIANA

Preis: 18,00€ (Hardcover)

ISBN: 978-3-453-29240-6

Die Autorin Karine Lambert schafft es mit ihrem Schreibstil, die Verzweiflung von Vincent auf den Punkt zu bringen. Als Leser taucht man in seine Gedankenwelt hinab und fiebert mit, als Vincent versucht die letzten verbleibenden sehenden Tage bestmöglich zu verbringen. Und man leidet mit, als er dann, fast völlig erblindet, sich durch seinen Alltag kämpft.

Ich war schockiert und fasziniert davon, wie es die Autorin geschafft hat, mich in Vincents Gefühlwelt hineinzuziehen. Diese Wut über sein Schicksal, der starke Wunsch nach Unabhängigkeit und die Erschöpfung, weil er ständig weiterkämpfen muss, haben mich sehr berührt. Es ist für mich nur schwer vorstellbar gewesen, wie hart so ein Schicksal sein kann, wenn man inmitten seines Lebens erblindet. Durch das Buch habe ich das erste Mal diesen Einblick bekommen. Die Autorin beschreibt auch, wie Vincent sich im Alltag helfen kann, wie beispielsweise mit einem Gummiring um den Salzstreuer zu befestigen, um ihn vom Pfeffer zu unterscheiden. Besonders inspirierend habe ich Vincents Disziplin empfunden. Er fällt immer wieder hin, im wahrsten Sinne des Wortes, steht aber immer wieder auf und kämpft sich in sein neues Leben. Die zarte Liebesgeschichte, die sich außerdem entwickelt, ist etwas ganz besonderes, weil sie nur auf den körperlichen Empfindungen und Gesprächen fußt und nicht auf das Aussehen fokussiert ist. Leider ist mir die Liebesgeschichte am Ende etwas zu kurz gekommen, auch wenn es in diesem Buch ja nicht nur um Liebe gehen soll. Aber mich hat es sehr interessiert, wie Vincents Liebe sich durch seine Erblindung verändert.

Zu dem Inhalt kommt jedoch noch etwas Entscheidendes hinzu: der Einband! Das Buch selbst ist mit Blumen in kräftigen Farben gestaltet. Darauf kommt ein Einband, der leicht trübe ist, aber dennoch etwas von der Farbe hindurchlässt. Für mich eine wunderbare Übersetzung des Inhaltes auf die Gestaltung des Buches – auch für Vincent gehen die Farben langsam verloren und ein Schleier legt sich darüber. Es passt perfekt.

Ich habe den Roman „Der unsichtbare Garten“ als schockierendes, aber inspirierendes Buch empfunden und würde jedem raten, mal in die Welt eines erblindenden Erwachsenen abzutauchen.

Verfasst von

Komm mit in meine kleine, bunte Welt! Ich lass dich an meinen Gedanken über das Leben teilhaben und stelle dir meine neuesten Bücher vor. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

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