[Rezension] Das Mädchen aus Glas

Eingesperrt sein in den eigenen vier Wänden. Dieses Gefühl kannten bis vor kurzem wahrscheinlich nur wenige Menschen. Durch unsere Erfahrung mit einer Pandemie und einer damit verbundenen Quarantäne, sind es nun etliche mehr. Mich eingeschlossen. Bei dem geringsten Verdacht auf Corona, oder dem Besuch eines Risikolandes, hieß es: Ab nach Hause und dort zwei Wochen bleiben.

Für mich war das eine große Herausforderung. Ich bin gerne zuhause. Ich fühle mich wohl in meinem Ein-Zimmer-Appartment, auch wenn es klein ist. Aber ich bin auch sehr gerne in der Natur und in der Stadt unterwegs. Zwei Wochen am Stück keinen Schritt vor die Tür setzen – dies war für mich der Inbegriff des Bösen. Und so saß ich damals zwei Wochen auf 35qm fest. Mir hat es dann ehrlich gesagt auch gereicht. Es war hart, es war beschränkend, es war schrecklich langweilig und zugleich so beängstigend, was da draußen passiert.

Wie mag sich so etwas wohl anfühlen, wenn man weiß, dass diese Zeit des „Gefängnisses daheim“ nie enden wird? Wenn man die Vorschrift erhält, dass die Welt da draußen für einen wirklich zu gefährlich ist?

Titel: Das Mädchen aus Glas

Autorin: Julie Hilgenberg

Verlag: Diana

Preis: 10,99€ (Taschenbuch)

ISBN: 978-3-453-36057-0

So geht es Elisa. Als kleines Kind hatte sie sich bereits mehrere Knochenbrüche zugezogen. Einmal auf der Treppe stolpern und schon war der Arm gebrochen. Einmal ausrutschen und hinfallen und erneut ist etwas gebrochen, diesmal vielleicht der Fuß. Es stand fest: Sie hat die seltene Glasknochenkrankheit, bei der die Knochen von scheinbar nur kleinen Dingen brechen können. Die Welt ist zu gefährlich und Elisa muss zuhause bleiben. Tag für Tag. Sie liest viel, fühlt sich ständig alleine und vermisst die Welt vor der Tür.

Eines Tages, im Jahr 1913, wird die Ehe mit dem impulsiven Schürzenjäger Louis arrangiert. Elisa sträubt sich, ja verabscheut ihn sogar. Doch zugleich findet sie durch ihn in ein neues Leben. Ein Leben mit Spaß und Entdeckungen. Langsam beginnt sie ihn doch noch zu mögen, doch dann bricht der Krieg aus.

Dieses Buch geht unter die Haut. Es ist vielschichtig, voller schöner Momente und zugleich erschreckend realistisch. Die Beschreibungen lassen ein Bild vor dem inneren Auge entstehen, das sich anfühlt, als wäre man inmitten des Geschehens, wie in einem fantastischen Film. Die Gefühle sind so gut nachvollziehbar – und zwar von verschiedenen Seiten, nicht nur die Gefühle von Elisa. Dies ist wirklich eine Kunst, denn meist hat man ja doch das Empfinden, nur eine Person wirklich tiefgründig kennenlernen zu können. Doch in diesem Buch hat man nach dem Lesen eine ganze Handvoll Menschen entdeckt und leidet und lacht mit. Es ist herrlich und ich wünschte, das Buch wäre nie zu Ende gegangen.

Verfasst von

Komm mit in meine bunte und chaotische Welt! Ich lass dich an meinen psychologischen und philosophischen Gedanken teilhaben, gebe dir zu den unterschiedlichsten Themen Tipps und stelle dir meine neuesten Bücher vor. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

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