Kurze Kaffeepause. Wieso der Tratsch in der Kaffeepause so wichtig sein kann

Die Aufgaben stapeln sich auf dem Schreibtisch, die To-Do-Liste wird immer länger. Eine Mail nach der anderen trudelt im Postfach ein und immer wieder spricht einen ein Kollege an mit „Kannst du vielleicht noch kurz…?“. Das Level der Überforderung steigt stetig an, immer weiter – bis es nur noch einen Ausweg gibt: Ab zur Kaffeepause!

Und da ist sie, die wohlverdiente Pause. Der Geruch von Kaffee, der kurze Tapetenwechsel; das tut einfach gut. Eine Pause von Kollegen hingegen? Fehlanzeige. Aber keine Sorge, meist wird sowieso nicht über die Arbeit geredet. So gut wie jeder flüchtet sich in die Küche – bis auf ein paar vereinzelte Seelen, die den Kaffee nur nehmen, um Kollegen abzugreifen oder einen weiteren Energieschub zu erhalten, um weiter die Liste abzuarbeiten. Doch meist ist jeder auf der Suche nach einer kurzen Pause, nach einem kurzen Klönsnack, wie jetzt meine Verwandtschaft aus dem Norden sagen würde 😉

Aber wieso tut es so gut, einfach mal über Banalitäten zu reden?

Der Vorteil der banalen Dinge

Meist ist die To-Do-Liste gefüllt mit wichtigen Dingen, die am besten sofort erledigt werden sollten. Deadlines sitzen einem im Nacken und alles sollte am besten jetzt gleich geschehen. Und genau da kommt der Tratsch in der Kaffeeküche ins Spiel.

Meist erfolgt die Kaffeepause im Stehen – man holt sich ja nur mal eben einen Kaffee und macht es sich nicht richtig gemütlich. Wir sitzen meist sowieso zu viel, da tut aufstehen und stehen bleiben einfach gut. Der Körper wird wieder wacher, die Konzentration kann danach wieder steigen und die nächste Arbeitsperiode leichter fallen. Doch diese körperlichen Auswirkungen hätte man auch mit einem regelmäßigen Toilettengang 😉 Wieso also nun unbedingt der Tratsch in der Küche?

Was ist so herrlich unwichtig, wie, wer wann wo war und was es Neues über x, y, oder z gibt? Eben. Nichts. Das Gehirn kann mal kurz Pause machen, muss nicht grübeln und lauscht nur nebenbei ein bisschen den lockeren Gesprächen. Keine Pause am Smartphone kann je so effektiv sein, wie einfach mal mit einem Kaffee in der Hand seinen Kollegen gegenüber zu stehen und sich über Belangloses auszutauschen.

Aber es ist nicht nur die Pause, die so gut tut. Der Tratsch in der Kaffeepause kann den Zusammenhalt zwischen Kollegen stärken. Insbesondere kurze Themen, bei denen man schnell und klar Position beziehen kann und damit auch meist der Position des Kollegens entspricht, erzeugen ein Gefühl von Gemeinsamkeit. Vielleicht ist ja sogar ein gemeinsames Grinsen, Schmunzeln, Augenzwinkern mit dabei – fast schon, als hätte man ein gemeinsames, kleines Geheimnis. Es ist kein tiefgründiges Gespräch und doch fühlt man sich verbunden. Und der Mensch ist nun mal ein soziales Lebewesen. Soziale Kontakte können die Laune heben und für mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz sorgen.

Solange es nicht in Lästern oder gar Mobbing ausartet, hat der Kaffeetratsch also doch so seine guten Seiten und macht oft auch einfach Spaß. Worüber redet ihr in eurer Kaffeeküche so? Und merkt ihr, dass auch euch das gelegentliche Quatschen gut tut?

Und wenn ihr in einem Beruf arbeitet, bei dem es gar nicht solch eine Küche gibt: wie sorgt ihr für diese kurzen Pausen der Belanglosigkeit?

* Aufgrund der Lesbarkeit wurde in diesem Beitrag auf die Unterscheidung zwischen m., w. und d. bei „Kollegen“ verzichtet. Selbstverständlich sind alle gemeint.

Verfasst von

Komm mit in meine bunte und chaotische Welt! Ich lass dich an meinen psychologischen und philosophischen Gedanken teilhaben, gebe dir zu den unterschiedlichsten Themen Tipps und stelle dir meine neuesten Bücher vor. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

10 Kommentare zu „Kurze Kaffeepause. Wieso der Tratsch in der Kaffeepause so wichtig sein kann

  1. Toller Artikel! Die Bedeutung der Kaffeepause haben unsere österreichischen Nachbarn kürzlich untersucht. Aus der Studie „Pausenkultur in Österreich“ geht hervor, dass für neun von zehn Österreichern die Arbeitspause mit Kaffee verbunden ist. Dabei werden mindestens zwei Tassen pro Arbeitstag konsumiert. Natürlich hat Covis-19 gerade darauf Einfluss genommen. Auch in unserem Nachbarland arbeiten viele inzwischen von zu hause aus. Ihren Kaffee wollen sich die Österreicher aber nicht nehmen lassen, denn da gehört das Heißgetränk viel stärker als bei uns zur Alltagskultur dazu. Deshalb steht der diesjährige „Tag des Kaffees“ im Heimatland des klassischen Kaffeehauses auch unter dem Motto: „Kaffee – ein treuer Begleiter“. https://wp.me/p8O5tv-3CB Gruß aus München… Tom

    Gefällt 1 Person

  2. Schöner Beitrag. Der Austausch in Pausen ist wichtig und Thema kann alles sein 😂 ITler snacken wohl ehr über anderes als welche auf nem Bau … letztlich geht es immer nur über Gott und die Welt

    *darf wirklich immer noch m/w/d geschrieben werden oder wurde das nicht schon längst von BLM als rassistisch erkannt?
    m/w/d = männlich/weiß/deutsch 😱

    Gefällt 1 Person

      1. Diese Erklärung von m/w/d habe ich wohl mal auf einem Meme gesehen oder es war ein kurzer Nebensatz in einem Vid.
        m/w/d = männlich/weiß/deutsch klingt für mich logisch, zumal es in den Stellenanzeigen immer neben der Tätigkeitsbeschreibung steht
        🤔 für was sollte es auch sonst stehen, mir fällt da rein gar nichts ein 😂

        Gefällt 1 Person

  3. Ja, sowas sehe ich bei meinen Kollegen oft. Und genauso oft steh ich da allein iwo und frage mich, warum ich es nicht kann. Wie du schreibst, es schafft Zusammenhalt.. Tja, bin halt das Zebra unter Pferden.. Eher für vertraute Gespräche. Das ist nicht dieses Abschalten, das du beschreibst, und ich mir ab und zu echt wünsche.. Ist aber nicht schlimm, es steht ein Wechsel bevor, drück mir mal die Daumen, vielleicht finde ich dort meine Kaffeepause😉😘

    Gefällt 1 Person

  4. Bin zufällig auf diese Seite gekommen, als ich ein Bild für „KAFFEEPAUSE“ suchte. Ein sehr sympathischer Artikel. Hier in Spanien ist die Kaffeepause auch ‚heilig‘. Trotz Lockdown und jetzt Homeoffice – oder vielleicht gerade deshalb – behalten wir unsere Kaffeepausen bei. Zwar sitzt jeder mit seiner Tasse daheim vorm Bildschirm, aber das belanglose Quatschen und sich gegenseitig Anjammern oder Zusprechen ist eine grosse Ablenkung, v.a. mit Leuten aus anderen Abteilungen (nicht nur die direkten Mitarbeiter).

    Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu LYREBIRD | über Psychologie, Philosophie und Bücher Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s