Make-up. Schminken zum Besserfühlen?

Ich weiß noch, wie stolz ich als kleines Mädchen war, mal die Wimperntusche meiner Schwester oder Mama zu benutzen. Und Hilfe! Das war vielleicht schwierig! Mittlerweile kann ich darüber nur schmunzeln. Ein Lidstrich, das richtige Auftragen eines Lippenstifts und Mascara benutzen ist bei mir so intuitiv wie Auto fahren.

Geschminkt habe ich mich schon immer gerne. Aber nie besonders aufwendig. Ich mochte meine Augen mit etwas Lidstrich und Mascara – aber ein aufwendiges Make-up mit Grundierung usw. habe ich selten gemacht. Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass ich meine Hautunreinheiten mehr abdecken wollte. Das tat ich dann auch. Und wurde immer unsicherer ohne Make-up. Was so ein bisschen Schminke ausmachen kann! Plötzlich fühlte ich mich an einem Tag, an dem meine Haut mal wieder komplett verrückt spielte, doch wieder hübsch.

Du bist ein Mädchen / eine Frau und es klingt vertraut und zunächst verständlich? Oder du bist ein Junge / ein Mann und benutzt auch Schminke, um etwas zu kaschieren?

Welche Intention liegt hinter dem Schminken?

Make-up ist ja auch dafür gedacht, dass wir unsere Besonderheiten untestreichen können und teils sogar in eine andere Rolle schlüpfen dürfen. Doch es gibt einen Punkt, an dem man meiner Meinung nach innehalten sollte. Stelle dir doch mal folgende Fragen:

  • Hast du das Gefühl, dass du dich jeden Morgen schminken musst?
  • Traust du dich auch mal ohne Schminke aus dem Haus, auch wenn es nur zum Brötchen holen ist?
  • Kennen dich deine Freunde ohne Schminke?
  • Kennt dich dein Partner ohne Schminke?
  • Hast du das Gefühl, dass du ohne Schminke nicht hübsch (genug) bist?
  • Versteckst du dich, wenn du eines Tages wirklich mal mit etwas weniger oder sogar ganz ohne Schminke unterwegs bist?
  • Versuchst du im Sommer nicht im See den Kopf ins Wasser zu tunken, weil du Angst um deine Schminke hast?
  • Schminkst du dich morgens, bevor du zum Beispiel zum Sport gehst?

Es gibt bestimmt noch zahlreiche weitere Fragen, die in dir das Bewusstsein über dein Verhältnis zum Make-up wecken können. Wenn du mehrere Fragen mit „Ja“ beantwortest, dann würde ich dir zu einem Experiment raten. Denn auch ich war mal an dem Punkt, dass ich dachte, ohne Schminke bin ich nicht hübsch genug und keiner sollte mich so sehen. Erst mit der Zeit habe ich gemerkt, wie ungesund dieses Verhalten werden kann und ich habe eine kleine Challenge gemacht.

Kosmetik, Lippenstift, Lidschatten, Rouge, Pinsel

Wie du dein Verhalten herausfordern kannst

Du hast festgestellt, dass du eventuell ein negatives Verhältnis zu Make-up hast? Dann probiere doch mal Folgendes aus:

  1. Tag: Du musst nicht sofort deine Schminke wegwerfen, oder nun komplett ohne herumlaufen. Lass es langsam angehen. Nehme ein Produkt weniger. Zum Beispiel das Rouge? Oder den Concealer? Oder den Lidstrich? Schreibe am Ende des Tages auf, wie lange dir dies aufgefallen ist und wie du dich dabei gefühlt hast.
  2. Tag: Mache das Gleiche wie gestern und stelle dir wieder dieselben Fragen.
  3. Tag: Jetzt lässt du ein zweites Produkt weg. Überprüfe erneut, was dies mit dir macht.
  4. Tag: Jetzt lässt du ein drittes Produkt weg. Vielleicht gehst du diesmal nur mit Wimperntusche heraus. Auch hier wieder: wie geht es dir damit? Hast du das Gefühl, die Menschen um dich herum verhalten sich anders?
  5. Tag: Hey, du schlägst dich sehr gut! Mach das Gleiche wie gestern. Überprüfe wieder wie es dir geht.
  6. Tag: Entweder es ist wirklich der sechste Tag, oder du wartest noch ein bisschen zum Wochenende. Meist ist es dort angenehmer, mal ganz ohne Schminke herumzulaufen, als direkt mit den Kommentaren in Büro oder Uni oder Ausbildung oder Schule (usw.) konfrontiert zu werden. Und dann ist es soweit: Wasch dein Gesicht, creme es ein, wenn du magst und raus mit dir! Am Ende des Tages heißt es wieder: Reflektieren. Wie fühlst du dich? Was denkst du, wenn du in den Spiegel schaust? Welche Kommentare hast du erhalten, welche Blicke?

Das ist eine gute Übung, um sich Stück für Stück von der Überzeugung zu lösen, dass man ohne Schminke nicht gut genug aussiehst, nicht perfekt genug bist, oder was auch immer bei dir dahinter stecken mag.

Wie dein Verhältnis zur Schminke auch rein positiv sein kann

Schminken ist für mich mittlerweile etwas Wunderbares. Ich sehe es als eine Akt der Selbstfürsorge an, weil ich mich morgens gemütlich mit einem Kaffee oder Tee vor meinen Spiegel setze, Musik höre und mich zurechtmache. Es geht nicht darum, dass ich perfekt aussehe, oder dass ich es tun muss. Ich tue es, weil mir der Prozess des Schminkens einfach gefällt.

Ich kann aber auch genauso gut mal ohne Schminke rausgehen und denke nicht, dass ich dadurch weniger wert bin. Genau genommen bin ich sogar der Meinung, dass das niemandem auffällt, den du auf einem Spaziergang begegnest. Deine Freunde oder Arbeitskollegen werden es natürlich merken – aber nicht, weil du schrecklich aussiehst. Sondern schlichtweg weil es ungewohnt ist. Ich habe ein Freundin, die sich nie schminkt. Wenn sie dann mal zu einem besonderen Anlass Wimperntusche benutzt, kommentieren wir Freundinnen meist auch – aber einfach nur, weil es so anders aussieht 😉

Wenn ich im Sommer baden gehe, dann schminke ich mich gar nicht erst, um mir die Wimperntuschenreste zu ersparen. Wenn ich abends mal weggehe, lege ich gerne mal ein schönes Make-up.

Meiner Meinung nach kommt es immer auf dein Verhältnis zum Make-up an. Nutzt du es, um dich zu verstecken? Dann versuche es mal wegzulassen. Schminkst du dich, weil es dir Spaß macht, oder weil du damit besondere Züge von dir besonders unterstreichen magst, oder weil du es liebst, verschiedene Produkte auszuprobieren, oder weil du es magst, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, oder oder oder…. Dann mach es! 🙂 Es gibt so viele schöne Gründe, sich zu schminken. Doch der eine sollte es nicht sein: nur um anderen zu gefallen. Mach es für dich ❤

Verfasst von

Komm mit in meine bunte und chaotische Welt! Ich lass dich an meinen psychologischen und philosophischen Gedanken teilhaben, gebe dir zu den unterschiedlichsten Themen Tipps und stelle dir meine neuesten Bücher vor. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

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