Tagebuch schreiben – wieso das Schreiben eine Wohltat für die Seele ist (insbesondere in der aktuellen Situation wegen des Corona-Virus)

Im Kindesalter ist das Tagebuch schreiben noch weit verbreitet. Gerade viele Mädchen freuen sich über ein Buch mit Schloss, in dem sie ihre geheimsten Gedanken festhalten und vor der Außenwelt verschließen können. Da ich selbst keine Brüder hatte und auch sonst nicht als Kind mit Jungs über Tagebücher gesprochen habe, kann ich nur schwer nachvollziehen, ob auch sie geschrieben hatten. Doch wir Mädels schon.

Später habe ich gerne durch die Bücher geblättert und mich insbesondere darüber gefreut, dass ich mal Fotos oder andere Andenken, wie z.B. Kinokarten, eingeklebt hatte. Die Texte? Waren vollkommen verwirrend. An manche Gefühle konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern und manches war mir sogar peinlich. Dennoch sind für mich diese Bücher von unbeschreiblichen Wert.

Und dann? Tja, irgendwann habe ich einfach aufgehört. Ich weiß nicht mehr, was es war, das mich dazu gebracht hat. War es uncool? War das Leben draußen interessanter? Oder ging es mir so gut? Erst als ich wieder in schwierigere Zeiten gekommen bin, habe ich das Schreiben wieder wertgeschätzt. Bis zum heutigen Tag an. Leider schreibe ich nicht annähernd so regelmäßig, wie ich es gerne tun würde. Aber gerade wenn mein Kopf überquillt vor Ideen, vor Glück oder vor Sorge, greife ich zum Stift und meinem Büchlein und schreibe mir alles von der Seele.

Gerade in diesen Zeiten von Isolation, Angst, Sorge, Quarantäne aufgrund des Corona-Virus, möchte ich das Thema „Tagebuch schreiben“ besonders hervorheben. Denn es hilft enorm. All diejenigen, die noch nie geschrieben haben: vertraut mir. Und alle, die es schon mal gemacht haben, aber aktuell nicht mehr: fangt wieder an. Und natürlich alle, die es bereits tun: macht unbedingt weiter!

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Tagebuch zu schreiben kann dir bei der Bewältigung deiner Ängst helfen.

Die positiven Effekte

In Studien wurde erforscht, welche positiven Effekte das Tagebuchschreiben auf die mentale und körperliche Gesundheit haben kann. Die Teilnehmer sollten drei- bis fünfmal für etwa zwanzig Minuten schreiben, zum Beispiel über ein besonders traumatisches Erlebnis oder eine sehr emotionale Erfahrung. Nach vier Monaten ging es einigen Teilnehmern deutlich besser. Sie waren seltener krank, hatten ein verbessertes Arbeitsgedächtnis, bessere sportliche Leistungen, bessere Noten etc.

Bei einem Trauma sollte natürlich dennoch ein Therapeut involviert werden, aber die Studie belegt eindeutig, dass Tagebuchschreiben einfach gut tut.

Wie dir das Tagebuch schreiben konkret helfen kann

Du kannst dir das Schreiben wie eine Art Ventil vorstellen. Alles, was du aufschreibst, ist aus dem Kopf heraus. Insbesondere wenn du aktuell isoliert oder in Quarantäne bist, oder auch einfach nur, weil gerade die sozialen Kontakte weniger werden: nutze diese Möglichkeit, um deine Ängste und Sorgen loszuwerden. Vielleicht nutzt du das Tagebuch ja auch als eine Art Freund. Gib ihm einen Namen, und wende dich mit deinen Texten direkt an deinen neuen Begleiter in der schweren Zeit.

Gerade wenn das normale Leben still steht, gibt es viel zu jammern und zu merken. Solltest du aber „nur“ zuhause sein, nicht krank im Bett liegen, oder sonst besonders gefährdet sein, dann geht es dir verhältnismäßig verdammt gut. Manchmal hilft es, das eigene Leid in Relation zu setzen und festzustellen, dass es doch einige positive Dinge gibt. Auch hier kann dir das Tagebuch helfen, indem du beispielsweise jeden Tag drei Dinge aufschreibst für die du dankbar bist. Ja, das ist dann ein Dankbarkeitsbuch. Geht ja auch im Tagebuch selbst, oder nicht? 😉

Außerdem kannst du in deinem Tagebuch deine mentale Gesundheit reflektieren. Was nimmt du dir für den heutigen Tag vor, wie möchtest du dir etwas Gutes tun? Hast du das auch umgesetzt? Oder was brauchst du, damit du dich wohlfühlst?

Hast du schon mal von „Bewusstseinströmen“ gehört? Du kannst dir das folgendermaßen vorstellen: du nimmst einen Stift in die Hand, stellst dir einen Timer (beispielsweise für den Anfang auf fünf Minuten) und schreibst dann einfach drauf los. Ziel der Übung ist, keine Pausen zu machen. Du kannst nur einzelne Wörter schreiben, Stichpunkte oder ganze Texte. Hauptsache du grübelst nicht über Formulierungen, sondern lässt einfach alles raus, was sich gerade in deinem Kopf tummelt. Diese Übung kann sehr befreiend wirken und das Tagebuch ist der optimale Ort dafür. Wenn du möchtest, kannst du im Anschluss mal die Notizen durchgehen und dir besonders wichtige Dinge markieren. Oder aber du lässt es einfach so liegen und erfreust dich daran, wieder einen etwas klareren Kopf zu haben.

Natürlich kannst du ebenfalls Pläne schmieden, was du alles in der Zeit erledigen oder tun möchtest. Manche, gerade die mit kleinen Kindern, sind zurzeit wohl besonders eingespannt. Ihr macht einen verdammt guten Job, ich habe den höchsten Respekt für euch!! Doch andere wiederum haben nun mehr Zeit als sonst und wissen teilweise nicht so recht, was sie damit anfangen sollen. Überlegt euch doch mal, was ihr schon immer einmal in Angriff nehmen wollet. Vielleicht ist es malen, oder Geschichten schreiben, oder es ist das große Aussortieren und Aufräumen in der Wohnung oder dem Haus? Ihr findet bestimmt etwas.

Und zuletzt kannst du natürlich einfach nur schreiben, wie dein Tag war und was dich so beschäftigt hat.

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Wie man es durchzieht

Hier habe ich drei Tipps für dich:

  • Morgens: Leg dir das Tagebuch direkt neben das Bett und plan ein bisschen mehr Zeit an deinem Morgen ein. Es reichen auch schon wenige Minuten.
  • Abends: Vielleicht sitzt du abends gerne auf der Couch und schaust fern oder liest. Wieso dann nicht das Tagebuch dort hinlegen und immer abends eine kurze Pause vom Schauen oder Lesen machen und dafür schreiben?
  • Unterwegs: Du kannst auch ein besonders kleines Notizbuch wählen und es immer dabei haben. Dann kannst du unterwegs auch kleinere Gedanken schnell festhalten, beispielsweise in der Straßenbahn oder im Wartezimmer. (Dieser Tipp ist natürlich aktuell nicht besonders hilfreich, da man sowieso die meiste Zeit zuhause ist. Aber vielleicht ist dies ja was für dich, wenn der Corona-Schrecken vorüber ist.)

Manche bevorzugen auch Tagebücher, die bereits bestimmte Fragen stellen, die man dann nur noch beantworten muss. Wiederum andere nutzen Apps. Ich persönlich bin ein Fan vom freien Schreiben mit der Hand, weil es mir damit am besten geht. Doch entdecke einfach deine Vorlieben und probiere dich aus. Es wird dir bestimmt ebenfalls gut tun.

Nutz also die Chance, schnapp dir ein kleines Heft, ein Buch oder einfach nur Papier, das du in einen Schnellhefter abheftest, und los geht’s! ❤

Verfasst von

Komm mit in meine kleine, bunte Welt! Ich lass dich an meinen Gedanken über das Leben teilhaben und stelle dir meine neuesten Bücher vor. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

19 Kommentare zu „Tagebuch schreiben – wieso das Schreiben eine Wohltat für die Seele ist (insbesondere in der aktuellen Situation wegen des Corona-Virus)

  1. Aus eigener Sicht kann ich nur besttigen, dass mir es hilft ein Tagebuch zu schreiben.Das ist auch der Grund warum ich meinen Blog betreibe. Wie in den Übungen beschrieben, schreibe ich einfach drauflos und versuche dabei die Gedanken so klar wie möglich zu verfassen, dass sie für Unbekannte verständlich sind. Ich bekomme dann manchmal RÜckfragen von meinen Lesern und dann weiß ich, dass ich nicht klar genug formuliert habe und überdenke das noch einmal.

    Doch wer sein Tagebuch online veröffentlicht, sollte stets darauf achten, dass er anonym bleibt. Ich schreibe über meine Karriere und meine Krankheit. Mit solchen Gedanken kann ich in meiner jetzigen Situation nicht daran denken mein Gesicht zu zeigen. Aber eine Maske sagt manchmal mehr aus als ein Foto.

    https://uberlaufer.wordpress.com/2020/03/16/example-post-3/

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    1. Es freut mich, dass du das ganz genauso siehst. Und vor allem, dass du deine Gedanken dann in deinem Blog teilst! Ich kann mir gut vorstellen, dass deine Leser genau das lieben und sich freuen zu lesen, dass auch andere ihre Sorgen und Gedanken teilen.
      Ich kann natürlich verstehen, dass du dann jedoch anonym bleiben möchtest. Das ist wahrscheinlich die Grundlage, damit du so offen sein kannst.

      Du führst also dein Tagebuch nur online, oder benutzt du noch ein separates nur für dich alleine?

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      1. Ich benutze nur den Blog. Dort schreibe ich alles was mich so bewegt. Im Moment zu Corona ist das nicht viel, weoil wenig passiert. IUch habe dann eben Zeit mich mit Psychologie genauer zu beschäftigen.

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      2. Ich habe ein Lehramtsstudium hinter mir und da sind halt einige Fragen offen geblieben.

        Warum verhalten Menschen sich so unterschiedlich? Und wie ist es möglich, dass viele die Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft oder in der Welt nicht sehen wollen? Warum habe ich mich so oft in meinen Mitmenschen getäuscht? Und was kann ich künftig besser machen? Ebenfalls interessant finde ich die Psychologie der Massen.

        Um diese Fragen zu beantworten lese ich erst einmal Lehrbücher des Psychologiestudiums. Habe gerade mit Persönlichkeitspsychologie angefangen. Danach wollte ich dann weiter machen mit Sozialpsychologie und dann hoffe ich dass nach dem Studium der Massenpsychologie Corona überstanden ist.

        Meine wichtigsten Erkenntnisse sammele ich eben in meinem Blog unter #Psychologie und der Kategorie Lerntagebuch.

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      3. Danke für diesen spannenden Einblick! Diese Fragen sind wirklich interessant und die ein oder andere habe ich mir auch schon gestellt. Insbesondere die Psychologie der Massen hat mich schon länger gereizt. Ich hatte mal zwei Semester Soziologie studiert, sozusagen die Psychologie der Gesellschaft. Dies ist nun in Zeiten des Corona-Virus wohl noch interessanter!

        Dann auf jeden Fall gutes Gelingen 🙂

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      4. Vielen Dank! Und was machst du jetzt? Ich bin am Kämpfen mit meiner Lehrerrolle. Ich bin immer am Überlegen, ob ich nicht vielleicht etas ganz anbderes machen sollte.

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      5. Ja, aber ich wüsste nicht wohin das führen soll. Psychologie ist mein Hobby. Bisher dachte ich eher daran programmieren zu lernen oder mir irgendwas zu suchen, woich meine Schreibkompetenz nutzen kann.

        Mein Umfeld sagt mir, dass gerade meine Tagebucheinträge sehr mitreißend sind. Aber auch meine politischen Texte sind leicht verständlich und gut erklärt.

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      6. Manchmal ist es auch schön, sein Hobby als sein Hobby zu bewahren und es nicht zum Beruf zu machen. Denn wenn es der Beruf ist, kann sich manchmal – natürlich nicht immer, versteht sich – die Freude daran verändern.
        Ich selber habe jahrelang geschrieben, auch für etliche Zeitungen und male nebenher. Beides sehr kreativ. Doch für meinen Beruf wollte ich genau das Gegenteil, um mir die Freude an der Kreativität zu bewahren, die mich tagtäglich im Alltag begleitet.

        Vielleicht ist die Psychologie dann für dich genau das gleiche: eine Beschäftigung, die dich als Hobby besonders erfreut.
        Im Endeffekt ist dein Blog ja die Kombination aus Programmieren lernen und Schreibkompetenz nutzen. Also bist du schon auf dem richtigen Weg, auch wenn es aktuell noch „nur“ dein Hobby ist und kein Beruf. Wer weiß, was sich daraus entwickelt.

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  2. „Die Texte? Waren vollkommen verwirrend. An manche Gefühle konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern und manches war mir sogar peinlich. Dennoch sind für mich diese Bücher von unbeschreiblichen Wert.“

    Da habe ich mich einfach sofort wiedererkannt und musste schmunzeln! 🙂

    Tagebuch schreiben ist einfach besonders. Denn du schreibst die Geschichte deines Lebens. Nichts ist wichtiger und interessanter zu lesen 😊❤

    Liebe Grüße,
    Irina

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