Allein oder einsam? Isolation in Zeiten der Corona-Krise

Die Einen opfern sich hingebungsvoll auf, um uns mit Lebensmitteln zu versorgen, oder in den Kliniken für die Patienten zu sorgen. Die Anderen halten sich an die Ausgangsbeschränkung (Stand 24.03.2020 – in Bayern gilt eine Ausgangsbeschränkung). Und dann gibt es Menschen wie mich: Menschen, die in Quarantäne sind.

Seit über 11 Tagen durfte ich meine Wohnung nicht mehr verlassen. Was dies bedeutet? 37qm als einzigen Radius für über 264 Stunden. Da dreht man leicht durch. Das Wort des Jahres wird wohl, neben Corona, #Lagerkoller sein. Ich lese mir alle möglichen Tipps durch, versuche mich auf das Positive zu konzentrieren (z.B. endlich mal viel lesen können), mache täglich ein paar Übungen, um meine Wirbelsäule einigermaßen geschmeidig zu halten. Dennoch: die Zeit zieht sich wie Kaugummi – ein seeeeehr langes Kaugummi.

Aber hiermit bin ich nicht allein, ich bin kein armseliger Sonderfall, sondern mittlerweile eine von vielen. Genau in dieser Zeit, in der soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden müssen, man nicht einmal seine Liebsten besuchen darf, da kriecht langsam aber sicher das Gefühl der Einsamkeit in einem auf.

Einsam oder Allein?

Auch wenn die Wörter als Synonyme verwendet werden, so trübt dies die Realität. Allein sein kann auch purer Genuss sein. Den ganzen Tag hat sich eine Erzieherin um kleine Kinder gekümmert und möchte nichts anderes, als zuhause auf der Couch zu sitzen und die Ruhe zu genießen. Sie ist allein. Aber definitiv nicht einsam.

Einsamkeit entsteht dann, wenn das allein sein eigentlich gar nicht gewollt ist. Also in Zeiten wie aktuell, in der eine Pandemie unser Leben komplett über den Haufen wirft. Das Corona-Virus zwingt uns dazu allein zu sein. Und weil wir oft das Gegenteil gewohnt sind, oder uns zumindest immer wieder mal soziale Kontakte wünschen, fühlen wir uns einsam.

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Ist Einsamkeit etwas Schlimmes?

Einsamkeit per se muss nicht immer etwas Schlimmes sein. Meist ist es ein Zustand, der vorübergeht. Angenehm ist es wohl nie, doch es ist stets gewiss: es muss nicht andauern – gerade wenn man die aktuelle Situation betrachtet. Wir können noch nicht sagen, wann es vorbei sein wird. Aber das Ende wird kommen. Sei es durch einen Impfstoff, durch ein Medikament, oder durch das Eindämmen des Virus.

Dennoch kann Einsamkeit ein sehr großer Dämpfer sein, der einem regelrecht die Luft zum Atmen nimmt. Wer sich zu oft und zu lange einsam fühlt, hat außerdem ein höheres Risiko eine psychische Erkrankung wie z.B. eine Depression zu entwickeln.

Doch was tun gegen die Einsamkeit?

  • Plane dir fest ein, mindestens einmal in der Woche deine Familie und/oder deine Freunde anzurufen. Am besten eignen sich hierfür Videoanrufe, weil du dann deine Liebsten auch direkt sehen kannst.
  • Verabrede dich mit Freunden zu gemeinsamen Filmabenden. Auch hier einfach per Videoanruf anrufen, gleichzeitig einen Film starten und dann zusammen den Abend genießen. Für mehr Lockerheit können hier auch kleinere Trinkspiele dienen… 😉
  • Lass tagsüber das Radio laufen. So hörst du immer wieder mal aufmunternde Musik und vor allem Stimmen anderer Menschen, als wären sie mit im Raum.
  • Akzeptiere, dass diese Zeit nicht deine produktivste und beste Zeit deines Lebens sein muss. Die Angst, die Unsicherkeit und die Einsamkeit führen dazu, dass du vielleicht auch einfach nur das nötigste schaffst. Also erlaube dir auch einfach mal im Schlafanzug irgendwelche seichten Serien oder Filme zu schauen. Das lenkt dich ab von deinen eigenen Problemen und bringt dich auf andere Gedanken.
  • Erstelle ein Fotoalbum mit Fotos von dir und deiner Familie oder deinen Freunden. So rufst du dir direkt deine schönen Erinnerungen zurück ins Gedächtnis und hast deine Liebsten nah bei dir.
  • Malen oder zeichnen kann ein wunderbares Mittel sein, deinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Wenn du keine besonderen Malutensilien hast, kein Problem. Auch musst du nicht begabt sein. Nimm einfach einen Stift und ein Blatt Papier und los gehts – mal einfach drauf los, was dir gerade in den Sinn kommt.
  • Lese Bücher so oft es nur geht. Du kannst damit sofort in eine andere Welt abtauchen und neue Menschen „kennenlernen“, was dich direkt von deiner Einsamkeit ablenken kann.
  • Tu dir in dieser schwierigen Zeit allgemein etwas Gutes ❤

Und wenn diese Tipps einfach nicht fruchten wollen: keine Sorge. Einsamkeit ist kein Zustand – es darf einem auch einfach mal besch* gehen. Lass die Gefühle zu, höre ihnen zu und vielleicht hast du am nächsten Tag neue Energie, um deiner Einsamkeit entgegenzuwirken. Viel Glück und bleib gesund!

Verfasst von

Komm mit in meine bunte und chaotische Welt! Ich lass dich an meinen psychologischen und philosophischen Gedanken teilhaben, gebe dir zu den unterschiedlichsten Themen Tipps und stelle dir meine neuesten Bücher vor. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

39 Kommentare zu „Allein oder einsam? Isolation in Zeiten der Corona-Krise

  1. Hm… Es existiert ein wichtiger Punkt in der Einsamkeit der sich vom allein sein unterscheidet.
    Wir können nämlich einsam sein, obwohl wir uns unter Menschen befinden.
    Wir Menschen sind soziale Wesen und treffen uns gerne mit anderen.
    Ich musste für mich lernen, dass dieser Unterschied zwischen einsam und allein mit mir selbst zu tun hat.
    Wenn ich nicht mein bester Freund bin, der sich darum kümmert, dass ich nicht einsam bin, dann bin ich niemals allein, erkenne allerdings rechtzeitig wann ich einsam bin.

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  2. Vielen Dank für die konkreten Vorschläge. Obwohl das gemeinsame Starten von Filmen schon schwierig ist, dass es auch wirklich ganz synchron ist. Ist sonst ettwas verstörend, wenn der andere schon immer 3 Sekunden oder so früher beginnt Reaktionen auf den Film zu zeigen. Und wenn dann die Internetverbindung nicht so gut ist, dann ruckelt das etwas wieder und die Synchronität ist wieder dahin.

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    1. Sehr gerne!
      Das stimmt natürlich alles, aber ich habe es vor kurzem erst mit Freunden probiert und es hat ganz gut funktioniert und war ziemlich lustig. Ist auf jeden Fall einen Versuch wert 😉 Ansonsten könnte man auch den eigenen Bildschirm dem Freund freischalten („Screen-Sharing“) und dann so gemeinsam und gleichzeitig einen Film schauen – das habe ich jedoch selber noch nicht probiert. Also ohne Gewähr 😀

      LG Janne

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      1. Ich hab das alles schon ausprobiert. Und was ich beschrieben habe, waren meine Ergebnisse. Allerdings telefoniere ich im Moment sehr viel und schreibe wieder.Dasist was mir hilft.

        Bist du in Quarantäne wegen Corona? Wie ist das so?

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      2. Dann tut es mir leid, dass auch das nicht klappt, schade. Aber wenn das Telefonieren auch gut tut, umso besser! 🙂

        Ja genau, mittlerweile seit 12 Tagen. Es ist oft langweilig, egal wie viel ich lese und Dokus schaue – die Zeit vergeht manchmal einfach nicht. Ich erinnere mich dann aber immer wieder daran, dass es zum Schutz von anderen ist, dass ich noch Glück habe und dass alles vorbeigehen wird. Und Netflix hat so viele Serien und Dokus… Mal sehen, wie viele ich noch schaffe 😀

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      3. Ich würde gern das mit dir dann auch psychologisc auswerten. Ich glaube, dass es ein großes Potential hat. Ich fand nur etwas störend, dass die Liebe diese Konflikte überladen hat.

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      4. Ich werde mir auch mal You ansehen. Dasklingt auch vielversprechend. Ja, Blackmirror war rictig super. Allerdings ist die aktuelle Staffel eine Enttäuschung. Ich frage mich, ob sie sich den Massen mehr anpassen wollten, oder ob ihre guten Ideen ausgegangen sind.

        Am besten fand ich immer die Folgen, wo man zuerst denkt, dass ja alles eigentlich ganz normal ist.

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      5. YOU ist der absolute Hammer! Ich habe diese Serie wirklich regelrecht verschlungen und war fasziniert, welche Sympathie man für eigentlich abscheuliche Personen entwickeln kann…

        Die aktuelle Staffel von Black Mirror habe ich gar nicht zu Ende geschaut. Mir gings da wie dir. Manche Folgen haben mich noch lange beschäftigt und ich hatte regelrechte Albträume davon 😀

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      6. Vielen Dank für den Tipp mit You. Das ist wirklich eine gruselige Serie, die meine Nerven kitzelt. Werde demnächst dazu auch etwas veröffentlichen.

        Wie ergeht es dir in der Zwischenzeit mit deinen Symptomen?

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      7. Ich glaube ich habe die Grippe. Ich bin etwas kurzatmig, aber das schlimmste ist, dass ich die Isolation nicht ertrage. Üblicherweise erhole ich mich unter Mitmenschen. Durch die Arbeit bin ich in eine andere Stadt gezogen und mein soziales Netz war immer sehr locker gespannt und jetzt ist es eingerissen.

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      8. Ich bin ein sehr negativ denkender Mensch. Also nachdem sie so glücklich waren, da musste doch etwas kommen, besonders wenn es ne 2. staffel gibt. da störte die harmonie nur, auch wenn es mir weh getan hat, weil eigentlich die Beck eine ganz Liebe war.

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      9. Ich bin gerade mitten in der 2. Staffel drin und wollte demnäachst auch noch einmal einen Artikel dazu verfassen. Allerdings hat mir die erste bisher besser gefallen. Es war schon interessant zu sehen, wie Joe sich strategisch verhalten hat, um Beck näher zu kommen und besonders interesant waren die Stellen, wenn Beck nachdenklich wurde und Joe die Bedenken zur Seite wischen konnte bis es zu spät war…

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      10. Ja, ich bin auch immer sehr kritisch. Aus Becks Sicht war es alles sehr überraschend. Da wir allerdings auch Joes Perspektive kennen, war das Ende unvermeintlich. Wenn der Partner Liebe mit Fanatismus verwechselt, kann es nicht gut gehen.

        Gut. Beck hätte nicht fremdgehen sollen, aber es war auch für sie eine schwoierige Situation, wenn die beste Freundin auf einen steht und dann verstirbt. Und wenn du dir ansiest, was Beck über Joe wusste, dann war das relativ wenig. Sie wusste nur, dass er Bücher mag. Sie lernte seine Nachbarn kennen. Aber was genau wusste sie von Joe?

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      11. Ja, und wie das möglich war, das ist gerade das Interessante. Ich denke, dass ich genau so naiv wie Beck in so eine Beziehung stolpern könnte, auch wenn ich eher negativ denke. Solche Abgründe wie bei Joe sind nicht zu erwarten. Wer so etwas erwartet, der ist glaube ich gar nicht mehr überlebensfähig in unserer Gesellschaft.

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      12. Ich bin selbst schon in eine sehr destruktive Beziehung gestolpert und habe das viel zu spät gemerkt. Wahrscheinlich hat mich diese Serie deshalb auch so mitgerissen – auch wenn es bei mir glücklicherweise nicht so schlimm ausgegangen ist wie bei Beck.

        Das stimmt, man sollte nicht immer das Schlimmste von Menschen erwarten. Das macht nicht nur unglücklich, sondern führt auch zur vollständigen Isolation…

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      13. Ich hoffe, dass das Allein sein für dich nicht allzu unangenehm ist. Manchmal braucht man ja genau das nach so einer langen Beziehung.

        So ging es mir jedenfalls. Ich brauchte Abstand.
        Doch jetzt, nachdem ich wieder Menschen in mein Leben gelassen habe, bin ich sehr glücklich in einer Beziehung, die mir einfach rundum gut tut, mit einem ganz wundervollen Menschen.
        Ich hoffe, dass auch du noch die richtige Person findest ❤

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      14. Ich habe mich mittlerweile ans Alleinsein gewöhnt. Nur jetzt, wo gleichzeitig noch Isolation meine Routinen beschneidet, merke ich schon, dass mir etwas wichtiges fehlt.

        Freut mich, dass du wieder jemanden gefunden hast.

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  3. Ich finde das Alleinsein eigentlich ganz toll. Ich bin total introvertiert und daher finde ich es eigentlich nicht schlimm, zwei Wochen im Haus zu bleiben. Das blöde ist nur, dass ich zwei kleine Kinder habe und dadurch bin ich so gut wie niemals allein! Die zwei den ganzen Tag zu beschäftigen ist eine Mammutaufgabe und ich komme oft kaum hinterher. Corona ist also nicht für alle eine entspannte Pause, nur die die mit Kindern daheim sind haben halt keine Zeit sich dazu zu äußern. 😉 Ich wär echt gern mal wieder einen Tag ganz allein. Wobei auch Introvertierte nach einiger Zeit ihre Freunde und Familie vermissen. =)

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Das kann ich sehr gut verstehen, dass du dann lieber für dich sein würdest. Kein Wunder! Die Kleinen wollen ja immer möglichst viel von ihrer Mama 😉
      Ich hoffe sehr für dich, dass du es trotz deiner Kinder mal Zeit für dich findest, um deine introvertierte Zeit auch zulassen zu können.
      Und ich stelle es mir sehr anstrengend vor, Kinder die ganze Zeit über zu beschäftigen, wenn sie sich nicht draußen austoben können. Ich wünsche dir alles Gute und dass ihr das gemeinsam gut hinbekommt! ❤

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