Alltag ausmisten – sich fokussieren und mehr Zeit haben

Ich bin ein sehr wissbegieriger, aktiver Mensch. Eine Eigenschaft, die wunderbar sein kann – durch die ich mich aber auch in ein Projekt nach dem anderen stürze. Und letztlich mich darin verrenne.

Genau das ist Anfang des Jahres passiert. Mein Praxissemester war gerade zu Ende und die Vorlesungen sind noch gar nicht wieder losgegangen. Und doch hatte ich täglich eine lange To-Do-Liste, viele Dinge zu erledigen, war ständig unterwegs und habe mir selbst immer größeren Druck gemacht. Zusätzlich wollte ich mich entscheiden, wie es nach meinem Bachelor weiter geht, war aber komplett überfordert.

Im Nachhinein kein Wunder. Jeder Mensch hat nur eine bestimmte Menge an Energie zur Verfügung. Bei dem einen ist es mehr, bei dem anderen weniger – doch sie ist immer begrenzt. Wenn ich meine gesamte Energie aufbrauche, in dem ich von einer „Baustelle“ zur anderen hüpfe, dann brauche ich mich nicht wundern, wieso ich dann keine guten Entscheidungen mehr treffen kann. Mir fehlte einfach die Kraft dazu.

Impulse zum Nachdenken

Einem sehr bemerkenswerten Mann zum Dank – mein Mentor, den ich durch die Hochschule an die Seite gestellt bekommen habe – habe ich dies überhaupt erst erkannt. Er war überrascht von all meinen Projekten, all den Dingen, die ich tue. Auch beeindruckt, ja. Aber auch misstrauisch. Wo bleibt die Zeit einfach mal nur für dich? Wie willst du eine Sache wirklich gut machen, wenn noch zehn andere Dinge nebenher laufen?

Diese Fragen waren für mich ein wertvoller Impuls, meinen Alltag zu hinterfragen. Und so saß ich Woche für Woche nach diesem Treffen mit meinem Mentor dran und habe mich über mich und mein Leben gewundert. Und dann bekam ich Angst. Denn es wird ja nicht weniger, es wird immer mehr. Erst geht das Studium wieder los, dann kommt der Job, irgendwann mal die eigene Familie. Es kommt immer etwas dazu, immer mehr, immer mehr… Erst bei diesem Gedanken und der „Angst“ davor, habe ich gemerkt, wie ausgelaugt ich eigentlich bin.

Ich habe immer irgendetwas in meinem Kopf, das ich noch erledigen muss. Ständig fühle ich mich unter Strom, unter Druck gesetzt. Ich kann nur schwer einfach mal stillhalten und innehalten. Ich wüsste nicht, wo ich gelandet wäre, wenn ich nicht zumindest mein Yoga täglich gemacht hätte, was mich stets aufs Neue erdet und wieder herunterbringt.

Vielleicht geht es euch ja auch so? Fragt euch doch mal folgende Fragen:

Was ist, wenn es immer so weitergeht? Wie fühle ich mich dabei?

Was ist mir wirklich wichtig, worauf möchte ich meinen Fokus legen?

Hätte ich die Kraft für ein weiteres „Projekt“ oder vielleicht auch einen Schicksalsschlag?

Wenn ihr euch nicht wohlfühlt oder sagen könnt, dass ihr keine weitere Kraft für irgendetwas anderes hättet, sei es ein „schönes“ neues Element in eurem Alltag oder einen Rückschlag, den ihr nicht planen könnt – dann wird es höchste Zeit!

Selbstfürsorge ist unglaublich wichtig. Nur dann könnt ihr für eure Freunde und Familie da sein, nur dann könnt ihr gute Arbeit leisten, nur dann könnt ihr euer Leben überhaupt erst genießen. Ihr braucht Kraft, und zwar nicht die Muskelkraft. Sondern die Kraft und Energien insgesamt.

Was tun, wenn man ausgelaugt ist?

Jetzt liegt es an euch, ihr müsst aktiv werden und etwas verändern. Denn nur so könnt ihr einem Burnout vorbeugen und langfristig gesund bleiben.

Auch ich habe mich hingesetzt und mir Gedanken gemacht. Über einen längeren Zeitraum hinweg habe ich mich immer wieder gefragt:

Was könnte ich streichen?

Was kann ich defintiv nicht einfach aufhören?

Wofür möchte ich meine Energien nutzen?

Ist mir das wirklich so wichtig, wie ich denke?

Wo möchte ich meine Prioriäten setzen?

Kann ich das nicht auch anders lösen?

So habe ich Stück für Stück für mich herausgefunden, was ich zwar unheimlich gerne tue, was ich aber weglassen kann, um wieder Luft zum Atmen zu haben. Oder aber ich habe Strategien gefunden, wie ich mir manche Arbeit erleichtern kann.

Jetzt habe ich wieder Energie für mein Studium und meine Yogalehrer-Ausbildung – und trotzdem noch Raum für Ruhe und Kreativität. Vielleicht helfen euch meine Anregungen ja genauso wie m ir, es würde mich freuen.

Außerdem fände ich es spannend zu sehen, wem es ähnlich geht wie mir. Erzählt gerne eure Geschichten 🙂


Entdecke dich

P.S. An dieser Stelle habe ich auch noch einen kleinen Buchtipp für euch. Wenn ihr euch diese Fragen stellt, dann reflektiert ihr – und seid somit auch achtsam. Das Thema Achtsamkeit spielt ja so oft eine ganz große Rolle und meist gibt es viele ausführliche Anleitungen, die das Thema teils recht trocken oder zumindest hauptsächlich theoretisch aufgreifen.

Wenn ihr aber mal einen ganz anderen, kreativen Ansatz sucht, dann schaut euch doch mal „Entdecke dich“ an. Davon bin ich aktuell ganz begeistert. Wunderschön gestaltete Seiten, die zum Nachdenken und Innehalten anregen. Damit ist man nie falsch 🙂

Titel: Entdecke dich. Das Achtsamkeits Journal
Autorin: Elena Brower

Verlag: Random House (Link)
Preis: 15,00€ (Paperback)

Verfasst von

Komm mit in meine bunte und chaotische Welt! Ich lass dich an meinen psychologischen Gedanken teilhaben, zeige dir mein Leben als Studentin und zeichne Handletterings was das Zeug hält. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

4 Kommentare zu „Alltag ausmisten – sich fokussieren und mehr Zeit haben

  1. Die meisten Menschen händeln ihr Leben vermutlich nach taktischen, nicht nach strategischen Erwägungen. Da nehme ich mich nicht aus. Sein Leben auf viele Jahre oder mehrere Jahrzehnte vorauszuplanen, gelingt wohl nur wenigen.
    Doch was man auch tut, man tut es für sich — nicht als (maßloser) Egoist oder gar als (egoistischer) Psychopath, sondern um des Überlebens willen. Empathie für andere Menschen gehört dazu. Ohne Empathie schließt man sich selbst (aus der Gesellschaft, von seinen Mitmenschen) aus.

    Gustav Mahler schließt seine 2. Symphonie (die dauert anderthalb Stunden) mit einem Schlusschor, der für mich der großartigste Schluss einer Symphonie ist:

    O glaube, mein Herz, es geht dir nichts verloren!
    Dein ist, ja dein, was du gesehnt!
    Was du geliebt, was du gestritten!
    O glaube: du wardst nicht umsonst geboren!
    Hast nicht umsonst gelebt, gelitten!
    Was entstanden ist, das muß vergehen!
    Was vergangen, auferstehen!
    Hör’ auf, zu beben!
    Bereite dich, zu leben!

    Für mich (Atheist), für mein Empfinden, vermitteln diese Worte Optimismus und Hoffnung — das, was uns ein Meistern auch großer Herausforderungen oder Widrigkeiten vielleicht erst ermöglicht.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    Gefällt 2 Personen

    1. Das eigene Umfeld ist so variabel und schnelllebig, sodass eine strategische Planung über Jahre hinweg ausgesprochen flexibel sein müsste, damit sie auch wirklich vollumfängich formuliert.

      Und was für wunderschöne Worte! Vielen herzlichen Dank, ich konnte vieles daraus lesen und sehe es auch so wie du, sie stehen für Optimismus und vermitteln Hoffnung. Damit sind die meisten Herausforderungen zu meistern.

      Viele Grüße
      Janne

      Gefällt 2 Personen

      1. Wohl wahr, eine strategische Planung ist in schnellebigen Zeiten schwierig.
        Wäre mal interessant zu erfahren, ob die Gründer von Microsoft, Apple, Google, Amazon, Facebook & Co ihre Firmengründungen strategisch geplant haben, oder ob sich die Strategie dieser Firmen für die Gründer erst im Laufe der Jahre (und Jahrzehnte) ergeben hat.

        Übrigens, das „es geht dir nichts verloren!“ aus Mahlers Symphonie ist für mich ein Schlüsselsatz.
        Egal ob man sich ständig selbst überfordert, das rechte Maß des Bewältigbaren gefunden hat, oder in den Tag hineinlebt und „den lieben Gott einen guten Mann sein lässt“ — man nimmt alle Erfahrungen mit („… es geht dir nichts verloren!“).

        Herzlich
        Eckhardt

        Gefällt 3 Personen

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