WG-Leben: wenn fremde Menschen zusammenleben

Wohngemeinschaft. Wohn. Gemeinschaft. Der Name sagt schon alles, eigentlich ist es doch ganz einfach.

Ich lebe seit 2 Jahren in WGs und kann nur sagen: es ist definitiv nicht einfach.

Beweggründe für eine WG

Ich bin mit frischen 18 Jahren ausgezogen. Und da war sie nun: die erste eigene Wohnung! Himmel hab ich sie geliebt! Meine Mama und ich hatte in den Sommerferien nach meinem Abi damals die komplette Wohnung bestmöglich hergerichtet, neue Möbel gekauft, gestrichen etc. Wir waren ständig damit beschäftigt und das Ergebnis war unglaublich.

Aber einsam. Sehr einsam.

Ich komme aus einem Elternhaus mit sehr viel Liebe. Gerade meine Mama und ich haben abends immer zusammen auf der Couch gesessen, gequatscht, Filme geschaut und uns gegenseitig massiert. Eigentlich wie richtig gute Freundinnen bei einem original Mädelsabend.

Und so saß ich also mit 18 alleine in meiner eigenen Wohnung und habe die Welt nicht mehr verstanden. Ich konnte fernsehen. Ja. Aber das war nicht annähernd so lustig, wie mit anderen über die Sendungen zu scherzen oder gemeinsam bei hübschen Männern aufzuquietschen 😉 (Ja, meine Mama und ich nehmen da kein Blatt vor den Mund :-D)

Plötzlich war alles so bedeutungslos. Ich habe etwas alleine gemacht? Schön, aber wen interessierts?

Mittlerweile weiß ich: das ist ein ganz normaler Prozess und sogar unglaublich wichtig für die individuelle und persönliche Weiterentwicklung. Doch zu diesem Zeitpunkt war ich etwas verloren und wusste gar nichts mehr so recht mit mir anzufangen und hatte das Gefühl, dass ich unglaublich viel verpasse, während meine gesamte Familie noch in meinem alten Zuhause ist.

Und so entstand irgendwie die Idee: wenn ich in einer WG wohne, dann bin ich nicht mehr alleine! Dann wird alles supidupi, ich habe Freunde, mit denen ich abends dran hocke. Das wird klasse!

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In einer WG zu leben bedeutet oft, nur wenig alleine zu sein.

WG-geeignet oder doch nicht?

Tja, damals habe ich nicht auf alle anderen hören wollen, die mir immer wieder versichert haben, dass ich eigentlich nicht so recht der Typ für eine WG bin. Doch wer ist überhaupt ein WG-Typ???

Ich Nachhinein würde ich sagen:

Wer in einer WG leben möchte, der sollte kompromissbereit und sehr tolerant sein. Doch vor allem sollte man mit den Mitbewohnern auch viel Zeit verbringen wollen. Und zwar nicht nur kurz, sondern intensiv.
Wer gerne alleine ist und auch immer wieder seine Ruhe braucht, ist oft in einer WG fehl am Platz. Denn da ist fast immer was los und das Zurückziehen fällt schwer.

Ich persönlich bin sehr gerne unter Menschen. Aber (!) ich brauche auch so dringend Raum für mich, Ruhe, einen Rückzugsort. Und das fällt in einer WG einfach schwer. Natürlich muss man sich nicht jeden Tag sehen – aber es ist doch immer jemand in der WG, man sieht sich, man teilt sich Bad und Küche. Das kann dann auch schon mal zu viel werden, wenn man eigentlich alleine sein möchte.

Aber ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich unbedingt in eine WG muss. Das war die Lösung all meiner „Probleme“. Gesagt, getan. Und gleich mal so richtig ins Fettnäpfchen getreten: meine erste WG war nur ein kurzer Abstecher. Nach nur einem Monat hatten mich die drei Mädels soweit gemobbt, dass ich einen erneuten Umzug nur liebend gerne in Kauf genommen habe, Hauptsache ich komm da wieder raus.

So ganz wollte ich die Idee einer WG dann natürlich noch nicht aufgeben. Also ging es dann in einer Zweier-WG mit einem weiteren Mädel. Super schöne Wohnung, super nettes Mädel.

Doch leider war immer ihr Freund da, oder sie war bei ihrem Freund. So eine WG, wie ich sie mir vorgestellt hatte, war das dann doch nicht. Und plötzlich war immer das Gefühl da, wenn sie mal in der Wohnung war, dass da irgendjemand Fremdes in meinem kleinen Reich ist. Ich habe mich lieber in mein Zimmer verzogen, das aber super super klein gewesen ist. Ich hatte nicht mal ein richtiges Bett, sondern habe auf einer Couch geschlafen. Mein armer Rücken 😀

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Abends will ich oft Zeit für mich zum Entspannen und Lesen.

Alle guten Dinge sind drei

Nach einem Jahr wurde es mir dann zu viel. Ich wollte eine richtig coole WG, mit der man viel macht. Ich wollte endlich mal wieder in einem Bett schlafen. Und ich wollte unbedingt in eine Jungs-WG, weil die einfach um einiges entspannter sind als Mädels.

Und so bin ich dann in meiner aktuellen WG gelandet.

Hammer Lage, direkt in der Innenstadt in einem wunderschönen Altbau (da kann man auch mal darüber hinwegsehen, dass die Wohnung einfach super alt ist und schon halb auseinander fällt :-D). Mein Zimmer ist riesig und die Jungs eigentlich auch super nett.

Doch irgendwie will es immer noch nicht funktionieren. Und wieso? Eigentlich ist es recht einfach:

Ich mache in meinem Alltag schon sehr viel. Studium, Praktikum, Nebenjob, Yogalehrer-Ausbildung, Blog. Dann natürlich noch Freunde, Freund, Familie.

Wenn ich dann mal Feierabend habe, dann will ich Entspannung, Ruhe, und die Dinge machen, die mich glücklich machen. Mal lesen, Musik hören, Malen, Videos auf Youtube schauen, telefonieren.

Meine Mitbewohner hingegen wollen dann genau am Abend etwas zusammen machen. Wir haben eine ganz andere Vorstellung, wie das in unserer WG laufen soll.

Früher dachte ich immer, ich will so viel mit meinen Mitbewohnern zusammen machen. Und rein theoretisch stimmt das ja auch. Aber ich habe schlichtweg nicht die Zeit dafür und fühle mich dann immer eher gestresst, wenn ich mal wieder nicht deren Erwartungen erfüllen kann und mich in mein Zimmer verziehe, oder bei meinem Freund übernachte.

Für mich ist es stressig, abends nach Hause zu kommen, nur noch was essen und dann ins Bett zu wollen – meine Mitbewohner dann aber noch etliche Freunde einladen und bis spät in die Nacht auf sind. Während bei mir um 6 Uhr der Wecker klingelt.

Und genau das ist das Problem bei so vielen WGs:

Jeder Mitbewohner in einer WG hat einen anderen Tagesablauf.

Während ich früh aufstehe, tagsüber unterwegs bin und abends zeitig ins Bett muss, stehen meine Mitbewohner irgendwann mittags auf und haben am Nachmittag dann mal eine Vorlesung, wenn überhaupt.

So findet man sich selten zusammen und das gemeinsame Wohnen wird eher zu einer Belastung. Und so ist es aktuell für mich. Ein Jahr werde ich nun noch hier wohnen und dann mal sehen, wohin es mich verschlägt, wenn ich meinen ersten Job annehme.

Welche Erfahrungen konntet ihr mit WGs sammeln? Ich bin gespannt, davon zu erfahren! 🙂

 

 

Verfasst von

Komm mit in meine bunte und chaotische Welt! Ich lass dich an meinen psychologischen Gedanken teilhaben, zeige dir mein Leben als Studentin und zeichne Handletterings was das Zeug hält. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

14 Kommentare zu „WG-Leben: wenn fremde Menschen zusammenleben

  1. Genau wegen deinen beschriebenen Problemen wohne ich lieber allein. Das fühlt sich etwas einsam an, aber ich versuche bei mir im Referendariat mich mit meinen Mitreferendaren zu vernetzen. Klappt bisher mäßig. Im Moment fühlt es sich so an, dass ich nur arbeite und schlafe. Andererseits gar nicht so unerfolgreich, aber erstrebenswert finde ich es bisher noch nicht.

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  2. Das erste Mal in einer WG habe ich in Finnland zusammen mit Menschen aus Ungarn gelebt. Das war nicht immer ganz einfach, aber wir haben uns gut organisiert – auch wenn wir uns immer mit den anderen ein Zimmer teilen mussten. Das waren zwar nur 6 Wochen in denen ich dort gelebt habe, dennoch kamen wir gut zurecht und jeder hat dem anderen auch seinen Freiraum gelassen. Nur das mit der Sprache war nicht so ganz einfach. Ein paar sprachen gutes englisch die anderen nicht, wiederum ein anderer deutsch. Meistens musste ich dann meinen direkten Zimmergenossen auf ungarisch übersetzen lassen, wenn die anderen dies verstehen sollten.

    Gruß,
    PretoX

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  3. Dieser Blogeintrag spricht so viele Wahrheiten aus 😀
    Ich habe bis jetzt erst Erfahrungen mit einer einzigen WG gemacht, während meines Auslandssemesters in Dänemark. Dort waren wir 5 Austauschstudenten, die bunt zusammengewürfelt in einer Wohnung zusammengelebt haben. Einerseits war es toll, im fremden Land gleich mal ein paar Menschen zu kennen. Andererseits waren wir alle völlig unterschiedliche Persönlichkeiten, was das Zusammenleben bisweilen sehr schwierig gemacht hat – ich musste viel lernen und arbeiten, zwei meiner Mitbewohnerinnen wollten andauernd Gäste einladen und Party machen 😀 Zum Glück konnten aber alle die Privatsphäre des jeweils anderen respektieren, und nach ein paar holprigen Wochen hatten wir einen guten Rhythmus entwickelt 🙂

    Nächsten Monat ziehe ich mit meiner besten Freundin zusammen in die nächste WG – da bin ich schon sehr gespannt, wie es laufen wird 😀 Ich bin aber sehr optimistisch, und hoffe ebenfalls auf viele lustige Mädelsabende 🙂

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    1. Eine interessante Erfahrung, die du da in Dänemark gemacht hast! Und du sprichst genau die größte Herausforderung an: es sind komplett verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Charakterzügen, die in einer WG aufeinander treffen.
      Da braucht es Zeit und etliche Kompromisse von allen Seiten, damit das Zusammenleben letztlich auch funktioniert.

      Ich wünsche dir auf jeden Fall eine ganz tolle Zeit mit deiner besten Freundin in der WG und drücke die Daumen, dass alles gut läuft und sich deine Wünsche erfüllen 😊

      LG Janne

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  4. Danke für diesen Beitrag, liebe Janne. Während meiner Studienzeit habe ich in zwei WGs gelebt. Die Erste war angenehm, die zweite WG war ein Desaster. Die Toleranz für Unordnung, uralte Lebensmittel, quietschbunten Schnickschnack oder ein neonfarbenes Boogieboard im Flur ist bei mir sehr sehr niedrig. Ich liebe es, Dinge zu gestalten und dazu gehört auch mein Lebensraum. Daher bin ich absolut ungeeignet für WGs. Sobald sich mein Studium damals dem Ende näherte, hatte ich mich vom WG-Leben verabschiedet und das war genau die richtige Entscheidung für mich.
    Rückblickend weiß ich, dass meine erste WG funktioniert hat, weil meine damalige Mitbewohnerin sich auch für Inneneinrichtung interessierte und wir uns oft darüber ausgetauscht hatten. Zudem war sie ordentlich. Die WG nach ihr bestand aus Menschen, die ihren Wohnraum eher ‚verbrauchten‘ als zu pflegen.
    Auch heute nach Studium und Co. lebe ich mit einem Partner zusammen, der meine Leidenschaft für Design teilt und Wert auf unsere Wohnung legt <3.
    Mein Fazit zu WGs – für mich ganz persönlich- ist also: Ich bin die wohl WG-untauglichste Person, die ich kenne, weil die Ästhetik meines Zuhauses großen Einfluss auf mein Wohlbefinden hat. In einer WG kann ich also unmöglich meine Persönlichkeit entfalten, was mich unglücklich und deswegen zu einer sehr schwierigen WG-Bewohnerin macht 😀 Diese Selbsterkenntnis lehrte mich nie wieder einer WG beizutreten.
    LG Gül

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    1. Oh ja, das kenne ich nur zu gut! Auch für mich ist mein Umfeld, meine Wohnung, sehr wichtig für mein Wohlbefinden. Und genau da ist der Haken bei so vielen typischen Studenten-WGs: meist alte Räumlichkeiten, die schon vor 10 Jahren als WG genutzt wurden. Und somit dementsprechend alt und etwas heruntergekommen.
      Dann kommen noch mehrere Mitbewohner hinzu, jeder mit anderen Ansichten, was wohnlich ist.
      Mein persönliches Zimmer konnte ich zwar nach meinem Geschmack einrichten. Aber die Gemeinschaftsräume gehören ja auch dazu und da schieden sich die Geister.

      Deshalb kann ich deine Sichtweise sehr verstehen und freue mich für dich, dass du auch jetzt eine passende Wohnform gefunden hast 😊

      LG Janne

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  5. Ich bin mit Ü40 schon ein leicht älteres Semester, habe viele Jahre in unterschiedlichen Situationen und WGs im In- und Ausland gelebt mit unterschiedlichen Erfahrungen, wobei die positiven bei weitem überwiegen.
    – Die WGs waren immer klein (2er) und ich habe mir die WGs in 1. Linie nach den Mitbewohnern ausgesucht und erst in 2. Linie nach Lage und Wohnung/Haus. Mitbewohner waren sowohl Männer, wie auch Frauen. Gespräche vor dem Einzug (!) über Vorstellungen über das WG-Leben bezüglich Ordnung, Besuche, gemeinsame Zeit, etc. machen es stressfreier.
    – Was ich definitiv nicht mehr machen würde, ist eine WG mit einer Freundin gründen. Das ging tüchtig schief und die Freundschaft ist daran zerbrochen. Muss nicht sein…
    – Umgekehrt wurden aber aus WGs Freundschaften – langjährige und sehr gute, die ich auch heute nach Jahrzehnten noch schätze.
    – Aus der letzten WG bin ich ausgezogen, weil ich mir eine Eigentumswohnung gekauft hatte. Mit der Wohnform WG lässt sich schon enorm Geld sparen. Für die gleiche Miete kannst du dir zusammen defintiv was schöneres leisten als alleine, aber der/die Mitbewohner „mietest“ du ein Stückweit mit – im Positiven, wie auch im Negativen.
    – Auch das Zusammenleben mit einem Partner braucht Toleranz, damit es entspannt ist. Eine WG ist auch ein Übungsfeld ;-). Vielleicht können mein Freund und ich auch deshalb glücklich auf recht kleinem Raum zusammenleben.
    – Ich könnte mir sehr gut vorstellen, allenfalls im Alter, wenn ich wieder alleine bin, wieder eine WG zu gründen,. Der eine kann noch Autofahren, der andere hat Spass, im Garten zu arbeiten… Aber es muss definitiv stimmig sein mit den Leuten, ansonsten lieber allein wohnen.

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    1. Danke für deinen Kommentar. Es hat mir direkt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, von deinen positiven Erfahrungen zu lesen!
      Auf jeden Fall steht und fällt der Erfolg einer WG mit den Menschen, die in ihr wohnen. Schwierig war für mich der Wechsel von Mitbewohnern. Dann hat es gerade perfekt gepasst und man ist ein eingespieltes Team geworden – und dann kommt ein neuer Mitbewohner und ganz neue Sichtweisen hinzu. In einem kurzen Vorstellungsgespräch den Gegenüber wirklich gut kennenzulernen, ist fast unmöglich. Irgendwie wird man ja dann doch wieder überrascht, sobald man letztendlich zusammen wohnt. Das kann negativ sein, aber auch positiv.

      Dennoch war es für mich eine wertvolle Erfahrung, denn ich sehe es genauso wie du: die WG Erfahrung übt einen darin Kompromisse zu schließen. So fällt das Zusammenleben mit dem Partner um einiges leichter.

      Es ist schön zu lesen, dass du auch später noch einmal die Option WG in Betracht ziehen würdest. Das sind doch tolle Aussichten, egal was noch kommen mag 😊

      LG Janne

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  6. Ich habe auch eine WG, die Mitbewohner wechseln fast jeden Tag. Das ist sehr praktisch. Obwohl ich nur ein Zimmer in meiner Wohnung belege, gehört sie dennoch ganz mir und wenn ich allein sein möchte, dann lade ich eben keine Gäste zum übernachten ein. Aber ich bin nicht gerne alleine und freue mich sehr, Menschen wollkommen zu heissen, ihnen ein schönes Zimmer herzurichten und sie am Morgen mit einem Frühstück zu verwöhnen. Manche Arbeiter wohnen mittlerweile durch die Woche bei mir und gehen dann am Wochenende wieder nach Hause. So kann WG auch aussehen und ist total entspannt. Wenn wir uns sehen wollen, ist das Wohnzimmer der Treffpunkt. Ansonsten kann sich jeder in sein Zimmer zurückziehen. Ich übernehme alle Arbeit im Haus und kriege etwas dafür.

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