Konzerte – wieso zahlen wir so viel Geld für Live-Auftritte?

Viel Geld für einen Abend – so war bisher immer meine Einstellung zu Konzerten. Ehrlich gesagt, habe ich aber auch keine große Konzerterfahrung – bis vor einem Monat. Ich hatte meinem Freund zu Weihnachten Karten für ein Alligatoah-Konzert in Stuttgart geschenkt und im Januar hieß: ab ins Auto und hin zu einem unserer Lieblingsmusiker.

Nur unnötig viel Geld für einen Abend oder doch mehr?

Mal abgesehen davon, dass es durch die Autofahrt, das Herumbummeln in Stuttgart und einfach an sich die Zeit mit meinem Freund zu verbringen, schon ein toller „Ausflug“ gewesen ist: Hilfe hatte ich mich in Konzerten getäuscht!

Ja, wir zahlen viel Geld für so eine Karte.
Ja, wir könnten die Musik auch vielleicht in einer etwas besseren Qualität zu Hause auf dem Sofa hören.
Ja, es ist laut und man ist inmitten von unzähligen Menschen halb eingequetscht.

Aber das Gefühl ist genial! Wir haben laut mitgesungen und in einer Menschenmasse zu sein, die alle die gleiche Musikvorliebe haben oder ebenfalls jeden Text auswendig kennt, ist mitreißend. Es ist als wäre man ein Teil von etwas ganz großem und genau dieses Gefühl bleibt im heutigen Alltag mal schnell auf der Strecke. Individualismus wird hoch geschrieben, immer mehr Menschen wohnen alleine, Großfamilien sterben so gut wie aus, im Fitnessstudio sportelt jeder verbissen vor sich hin. Gemeinschaftsgefühl? Fehlanzeige. Und genau dieses Gefühl hat mich an diesem Abend von Kopf bis Fuß durchströmt.

Teure Konzerttickets – was passiert mit meinem Geld?

Doch wo bleibt eigentlich das ganze Geld, das man für ein Konzert zahlt? Immerhin sind die Tickets ziemlich teuer und der Preis steigt stetig an. Aber nicht nur die Ticketpreise steigen an, auch die Kosten steigen, um ein Konzert zu veranstalten. GEMA-Gebühren, Versicherung, Sicherheitspersonal, Sanitätsdienst, Reinigung, Techniker, Gastro-Mitarbeiter – da kommt einiges zusammen. Je mehr Tickets für ein Konzert verkauft, desto mehr Personal wird auch gebraucht.

Doch ein großer Teil der Ticketeinnahmen geht an den Veranstalter. Da kommt zum einen natürlich die Künstlergage und ich würde mal behaupten, dass die nicht unbedingt gering ist 😉 Aber auch das Bewerben des Konzertes / der Tournee verschluckt so einiges an Geld. Es gibt immer mehr Marketing-Möglichkeiten und der Druck, das Konzert ganz besonders anzupreisen, nimmt zu. Da wird gut und gerne auch einiges an Geld ausgegeben.

Allerdings ist der Konzertticketmarkt nicht wirklich transparent. Was verdient Eventim an den Karten? Wer steckt ebenfalls etwas Geld in die eigenen Taschen?
Auch wenn der Gesetzgeber versucht, Ticketanbieter zu regulieren, so ist dies bislang nur mit mäßigem Erfolg passiert.

Konzert, Leistung, Publikum, Lightshow

Wieso nehmen wir die hohen Kosten trotzdem in Kauf?

Aber auch wenn wir die Mache von Ticketanbietern nicht durchschauen können und auch wenn der Preis für ein Konzertticket sehr hoch ist – wir machen es trotzdem. Etliche Fans finden sich zu Konzerten in allen möglichen Orten der Welt zusammen, nur um für eine begrenzte den geliebten Musiker/in auf der Bühne live miterleben zu können. Wieso machen wir das denn nun überhaupt?

  1. Laut Mitsingen macht den Kopf frei
    Nicht umsonst singen die meisten gerne lauthals in der Dusch mit – es fühlt sich einfach gut an! Befreiend, die Laune ist sofort um einiges besser und der Stress lässt nach. Singen ist nachweislich sehr gut für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Wieso dann nicht auf einem Konzert, bei dem es total egal ist, wie schief man singt, weil es sowieso keiner merkt?
  2. Musik spüren
    Im Wohnhaus lässt sich die Musik nur schwer auf volle Lautstärke aufdrehen, ansonsten sind die Nachbarn direkt an der Tür – oder gleich der nächste Polizist vor Ort. Und mit Kopfhörern ist es nicht das Gleiche. Auf einem Konzert geht einem der Bass von den Füßen direkt in den Bauch und ins Herz. Ein tolles Gefühl, jeden Takt direkt im Körper spüren zu können. Musik lebt!
  3. Unterstützung für den Künstler
    Natürlich sind die meisten Künstler, die große Konzerte geben, eher weniger arm. Eher im Gegenteil. Aber dennoch: Es ist eine Unterstützung, dass der Lieblingsmusiker weitermacht und neue tolle Musikstücke herausbringt. Ohne Geld wäre das nicht möglich. Also lohnt sich der Konzertbesuch in gewisser Weise auch in dieser Hinsicht.

Es gibt garantiert noch zahlreiche andere Gründe, wieso man auf ein Konzert geht oder gehen sollte. Welche fallen euch noch ein? Habt ihr schon einmal ein Konzert besucht und wie war es für euch?

 

Verfasst von

Komm mit in meine bunte und chaotische Welt! Ich lass dich an meinen psychologischen Gedanken teilhaben, zeige dir mein Leben als Studentin und zeichne Handletterings was das Zeug hält. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

21 Kommentare zu „Konzerte – wieso zahlen wir so viel Geld für Live-Auftritte?

  1. Konzerte sind toll, allerdings gehe ich lieber auf Freiluft Feste. Das beste von allen ist zweifelsfrei das Wacken. Allerdings auch diese Karten sind mittlerweile extrem teuer. Von einem Freund weiß ich, dass die relativ wenig bekommen. Er tritt mehrmals von Mittwoch-Samstag auf und bekommt etwa 500€, Dabei ist er schon der geistige Eigentümer vieler Lieder. Aber es ist deutlich mehr als bei Spotify. Musik erleichtert mir das Leben enorm. Und das hat einen Wert.Dafür bin ich gern bereit teure Karten zu bezahlen. Habe auch kein Spotify mehr. Ich kaufe mehr mittlerweile die CDs meiner Lieblingskünstler. Das ist meine Art Danke zu sagen und ihnen es zu ermöglichen mir weitere Musik zu schenken.
    https://haimart.wordpress.com/2018/12/26/auf-dieser-buehne-war-ich-der-held/

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    1. Danke für deinen Kommentar! Freiluft Feste sind bestimmt auch sehr schön, ich habe es bisher jedoch noch nicht ausprobiert.
      Doch mir geht es genauso, dass auch ich gerne den Künstler mit dem Geld unterstütze. Natürlich gibt es auch da Abstufungen, aber generell brauchen die Musiker genau dieses Geld ja auch, um weiter Musik machen zu können. Und die ist für mich essentiell, ohne gute Musik wäre mein Leben um einiges schwerer und viele Situationen unbedeutender.

      Viele Grüße
      Janne

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      1. Gerade wenn du da zeltest und dann abends mit deinen Nachbarn ins Gespräch kommst und dann morgens son Bierfrühstück das ist schon sehr episch. Es ist immer mein persönlicher Hochpunkt im Jahr.

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  2. Ich habe noch nie ein Konzert besucht aber würde liebend gerne mal auf eins gehen. Bei uns in der Stadt gibt es eine Art „Kultursommer“, wo verschiedene Künstler, die eher unbekannt sind, auftreten und es ähnelt schon einem kleinen Konzert aber die richtig grossen habe ich noch nicht besucht 🙂

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  3. Gehe ab und zu auf Klassik-Konzerte.
    Wenn man selber ein Musikinstrument spielt (ein klein wenig Klavier, Brahms, Mendelssohn, Grieg, Liszt und so), bekommt man eine Vorstellung davon, was es bedeutet, professionell, anspruchsvoll so dass es den Zuhörern gefällt, und möglichst fehlerfrei auf einer Bühne vor Publikum zu spielen — und wieviel jahre- und jahrzehntelange Arbeit dahintersteckt …
    Ich finde es lohnend, Interpretationen im Vergleich zu hören, z.B. Mahler’s 2. Symphonie oder sein Lied von der Erde, aber auch Opern, Kammermusik und vieles andere.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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  4. Ein Konzertbesuch beim lieben Herr Gator ist auch schon mal eine gute Wahl gewesen 😉 Konzerte sind etwas sehr gutes, aus deinen genannten Gründen. Einfach mal 2-3 Stunden den Alltag abschalten und im Moshpit mit fremden Menschen Pogo tanzen ist ein äußerst befreiendes Gefühl. Und auch besser als jeder Sport den ich kenne 😀

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  5. Ich liebe Konzerte ob klassik oder Pop. Einfach dabei sein ohne etwas tun zu müssen ausser vielleicht klatschen. Die Musik – vor allem wenn es bekannte Lieder sind – beflügelt mich. Wenn dann auch noch die Umgebung schön ist, wie z.B. in Locarno (im Süden der Schweiz) openair an einem warmen Abend. In den klassischen Konzerten ist oft so eine besondere Stimmung. Schön finde ich kleine Konzerte mit nur 2-300 Personen. Mein letztes Konzert war Gavin James in Bern – es war wunderschön

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  6. Passend zum Fasching etwas zum Interpretationsvergleich:
    Florence Foster Jenkins (1868-1944) war eine herausragende Sopranistin.
    Auf Youtube gibt es eine Aufnahme, in der sie die Arie der Königin der Nacht („Der Hölle Rache“) aus Mozarts Oper Die Zauberflöte singt —


    Vergleicht man dies mit anderen Einspielungen wie z.B. dieser —

    — versteht man …
    Herausragende Begabungen wie Florence Foster Jenkins gibt es natürlich auch unter männlichen Musikern.
    Eckhardt Kiwitt, Freising

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  7. Ich gehe auch gern auf Konzerte und bestätige deine Eindrücke. Zum Thema teuer möchte ich aber noch einen Gedanken hier lassen. All die Künstler*innen, die heute viel Geld kosten, spielten irgendwann einmal vor nur einer Hand voll Leuten für wenig oder gar kein Geld. Genauso machen es die Großen von morgen schon heute. Deshalb lohnt es sich auch nach kleinen Shows und Festivals zu suchen. Ich habe bei sowas schon krasse Sachen erlebt, weil man auch viel näher an den Musiker*innen dran ist und tolle Menschen kennengelernt. 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Lieber Mirco, danke für deinen Kommentar!
      Und ja, das stimmt. KünstlerInnen fangen meist klein an und durch Können und oder Glück werden sie erfolgreich. Dann erst füllen sie riesige Konzertsäle und die Karten kosten vie Geld.

      Das sollte man nicht außer Acht lassen 🙂

      Und in einem kleineren Rahmen ist es auch wirklich sehr nett!

      LG Janne

      Liken

  8. Du hast es schon erwähnt: CTS Eventim. = Da war ich letzte Woche auf der Hauptversammlung in Bremen. Während es vielen anderen Aktiengesellschaften (Daimler, Bayer, Deutsche Bank etc.) nicht mehr so gut geht, zahlt sich das Geschäftsmodell des Ticketvermarkters aus. Da sind richtig dicke Margen drin – und die Leute sind ja auch bereit, dafür zu zahlen (im Gegensatz zu Milch und Kartoffeln; damit wird kein Bauer reich, obwohl jeder Mensch was essen muss).
    Also: CTS Eventim Aktien kaufen und dann von der Dividende und den Kursgewinnen die Konzertbesuche finanzieren. Das nennt man dann den „Kreislauf des Geldes“

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