[Rezension] Kalsarikänni – Vom großen Spaß, sich allein zu Hause in Unterwäsche zu betrinken

Pling. Noch eine Mail.

Pling. Und eine WhatsApp-Nachricht auch noch.

Das Telefon schrillt auf. Der Computerbildschirm flirrt vor den Augen. Das Handy blinkt.

Die Atmung wird flacher, die Augen wandern im rasanten Tempo von links nach rechts, von unten nach oben. Der Rücken krumm, der Kopf schmerzt. Viel zu viel, viel zu voll im Kopf.

Na, kennt das jemand? Ich befürchte fast, dass dieser Zustand von so vielen einen großer Bestandteil des Alltags ist. Und selbst wenn man nicht im Büro arbeitet und vor einem Bildschirm sein Dasein fristet, dann gibt es Überforderung, den totalen Stress, auch in so unzähligen anderen Berufen.

Und dann ist endlich Feierabend. Was tun wir? Noch mehr Termine. Am Dienstag Sport, Mittwoch geht es dann mit der einen Freundin essen, ach ja und sozial engagieren sollte man sich ja auch noch, also das dann am Donnerstag, oder?

Natürlich will man seine wenige Freizeit dann mit all den Dingen füllen, die einem sonst im Arbeitsalltag fehlen oder einfach mit Tätigkeiten, die einem Spaß machen. Der Körper kann aber zwischen den Arbeitsterminen und den Freizeitterminen nur wenig unterscheiden. Ist ihm doch egal, ist einfach ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste, der erfüllt werden muss. Und genau da liegt das Problem.

Aber wie wäre es denn, wenn wir einfach mal alles sein lassen? Den Optimierungswahn und das Rennen ins Fitnessstudio. Den Perfektionismus und die zahlreichen Freizeittermine. Und das Streben nach einem immer besseren Leben und die Versuche, ganz besonders zu entspannen und die Wohnung umzugestalten, um eine möglichst gute Atmosphäre zu schaffen.

Und tadaaaa: Ich habe die optimale Lösung für euch! 😉

Ein neuer Trend aus Skandinavien

Bisher kennen wir ja schon Hygge oder Lykke (dazu hatte ich auch einmal einen schönen Beitrag geschrieben, schaut gerne hier). Was sollen wir also mit noch so einem Trend aus dem hohen Norden? Schon wieder etwas, das wir irgendwie erfüllen sollten, um genauso glücklich und zufrieden zu werden wie die „Nordmenschen“?

Genau das Gegenteil: Kalsarikänni ist etwas ganz anderes. Ganz ganz anders. Und herrlich erfrischend! Denn anstatt von dem Glas Wein am Abend, dem sinnlosen Fernsehen oder dem Knabbern von ungesunden Snacks abzuraten, ist Kalsarikänni genau dafür!

Was ist Kalsarikänni überhaupt?

dav

Ich muss zugeben, dass ich diesen Begriff noch nie gehört hatte – bis ich das Buch „Kalsarikänni“ von Miska Rantanen in den Händen hielt. Der finnische Journalist hat in diesem kleinen Buch festgehalten, wie wir uns optimal entspannen können, indem wir allein zu Hause in Unterwäsche auf der Couch lümmeln und uns genüsslich betrinken. Klingt etwas bescheuert? Glaubt mir, das Buch ist wunderbar inspirierend: am zweiten Abend saß ich mit einer Flasche Wein da und hab mich regelrecht dafür gefeiert 😉

In dem Buch erzählt Miska Rantanen auf eine wunderbar ironische und sarkastische Art von dem Trend aus Finnland, sich einfach mal etwas „gehen zu lassen“, nicht von einem Termin zum nächsten zu rennen. Alle „ich sollte aber“ oder „ich sollte nicht“ werden mal getrost vergessen und der Alkohol entspannt noch zusätzlich. Ein paar Snacks parat und es kann losgehen: gemütliche Kleidung (Unterwäsche oder je nach Außentemperatur Jogginghose), Alkohol nach Geschmack und Süßes sowie Salziges. Jeder kann sich den Abend nach Belieben gestalten, die einen bestellen lieber beim Lieferservice, die anderen essen einfach nur Chips ohne Ende. Die einen hören laut irgendeine Musik aus den 80ern, die anderen schauen Reality-Shows. Jeder wie er mag, ganz ohne Vorgaben.

Mehr über das Buch und den Autor

Autor: Miska Rantanen
Titel: Kalsarikänni. Vom großen Spaß, sich allein zu Hause in Unterwäsche zu betrinken
Verlag: Goldmann Verlag (Verlagsgruppe Random House)

ISBN: 978-3-442-15965-9

Weitere Infos: Taschenbuch, Broschur, 184 Seiten, 12,5 x 18,7 cmmit Illustrationen

Aus dem Finnischen von Tanja Küddelsmann

Mit Illustrationen von Mari Huhtanen

Ich bin wirklich froh, dass ich dieses Buch gelesen habe, denn auch wenn man eigentlich keine Bezeichnung für einen gemütlichen Wein- oder Bier-Abend nur mit sich selbst braucht, so ist es fast schon eine „Rechtfertigung“, genau dies tun zu dürfen, solange es einen Namen hat 😉

In dem Buch „Kalsarikänni – Vom großen Spaß, sich allein zu Hause in Unterwäsche zu betrinken“ spricht der Autor verschiedene Formen von Kalsarikänni an, wie es aussehen könnte und was man eventuell doch beachtet (es soll nämlich nicht in einem reinen Besäufnis enden 😉 ). Aber im Allgemeinen ist es eben nicht der typische Ratgeber, an den man sich halten muss. NEIN! Es ist einfach ein herrlich lustiges und lockeres Buch und macht richtig Lust darauf, es auszuprobieren. Also: sehr zu empfehlen!

Ich weiß schon, was ich heute Abend machen werde… Und ihr? 😉

***Info: Kalsarikänni ist nichts absolut Neues, nur ein Name aus dem Norden für etwas, das man schon längst tun kann. Außerdem ist es keine Variante, die man für die tägliche Entspannung nutzen sollte. In diesem Beitrag geht einfach darum, ein Buch vorzustellen, das satirisch und komisch ist. Und mal auf eine andere, und natürlich nur gelegentlich genutzte Art, die Kontrolle vom Alltag abzugeben. Nehmt das Thema bitte nicht allzu ernst, denn ich sehe es genauso, dass es für die tägliche Entspannung andere Methoden geben sollte.***

Verfasst von

Komm mit in meine bunte und chaotische Welt! Ich lass dich an meinen psychologischen Gedanken teilhaben, zeige dir mein Leben als Studentin und zeichne Handletterings was das Zeug hält. Viel Spaß auf #LyrebirdBlog :-)

26 Kommentare zu „[Rezension] Kalsarikänni – Vom großen Spaß, sich allein zu Hause in Unterwäsche zu betrinken

  1. Ohne irgendjemandem den Spaß an Kalsarikänni verderben zu wollen:
    Solange man Alkohol kontrolliert trinken kann, ist das sicher OK.

    Erinnert sei an Schweden, dessen Einwohner in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts dermaßen dem Alkoholkonsum verfallen waren — also nicht mehr kontrolliert trinken konnten –, dass der gesamte Staat gefahr lief, daran zugrunde zu gehen. Als Folge davon hat die Regierung dort die Preise für alkoholische Getränke drastisch erhöht und den Verkauf staatlich reglementiert / kontrolliert (lizensierte Verkaufsstellen), was m.W. bis heute gilt.

    In den USA hatte man in den 1920er Jahren (von 1920 bis 1933) mal entfernt ähnliche Erfahrungen gemacht, wenngleich nicht so schlimm. Die Folge war die Prohibition — die allerdings den illegalen Drogenhandel und andere Kriminalität erst richtig lukrativ machte; keine gute Idee.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Beitrag.
      Dies ist selbstverständlich ebenfalls ein Kapitel in diesem Buch und auch ich habe erwähnt, dass alles in Maßen erfolgen sollte. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Kalsarikänni überhaupt funktioniert. Es soll entspannen, lösend sein – aber nicht zu exzessiven Alkoholkonsum verleiten.
      Deshalb ist dein Beitrag eine schöne Erinnerung an alle, die meine Rezension gelesen haben: es geht hier um einen leichten, gemütlichen „Schwipps“ und nicht um sich bis zur Unkenntlichkeit zu betrinken.

      Liebe Grüße
      Janne

      Gefällt 1 Person

  2. Sehr schöner Text, danke!🙂 Und zugleich schon irgendwie schräg, dass die Freiheit in seiner Freizeit einfach mal „rumzulümmeln“ (so hätte ich „Kalsarikänni“ wohl umschrieben) heutzutage ein Buch und einen eigenen (hippen) Begriff wert ist!… Aber hast recht, das richtige Nichtstun ist einfach manchmal richtig wertvoll und wichtig, um danach auch wieder schöpferisch sein zu können! Herzlichen Gruß, Sunnybee

    Gefällt 1 Person

  3. Einfach mal die Seele baumeln lassen… mal nichts produktives tun… ja, das muss auch mal sein (ob man dafür unbedingt Alkohol benötigt, halte ich allerdings für fragwürdig) 😉
    Unsere Jugend hat übrigens auch einen Begriff dafür, der nicht ganz so kompliziert klingt: chillen, bis der Arzt kommt 😄
    Liebe Grüße
    netreisetagebuch

    Gefällt 1 Person

      1. Ich mach das mit nem Freund jeden Freitag und wir essen dabei immer Sushi. Dazu gucken wir meisten einen SchleFaZ, einen schlechtesten Film aller Zeiten. Das entspannt ganz schön gewaltig. Haben wir allerding schon lange gemachzt, bevor es Trend wurde.

        Gefällt 1 Person

  4. Fernsehen und Entspannung ist eigentlich ein grundsätzlicher Widerspruch. Denn das Gehirn muss die ganze Zeit die Bilder verarbeiten, und das hat nichts mit Entspannung zu tun. Das Problem ist, richtig entspannen können heute die meisten Leute überhaupt nicht mehr. Sie kennen das Gefühl, auf null zu schalten überhaupt nicht.
    Ich musste das für den Sport lernen. Denn wer Spitzenleistungen erbringen will, muss auch den Kopf komplett leeren können. Und da ist jede Ablenkung fehl am Platz. Das andere ist ein Gemütlichen Abend machen, und das ist jetzt wirklich nichts neues. Kann auch eine entspannende Wirkung haben, ich bevorzuge es aber den Fernsehen durch ein paar Freunde zu ersetzen und statt dem Alkohol trinke ich Wasser.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Beitrag und ich kann dir in allen Punkten zustimmen.
      Es geht hier auch gar nicht um das regelmäßige Entspannen – dafür ist Kalsarikänni nicht geeignet. Auch dies wird im Buch thematisiert.
      Ich habe euch dieses Buch vorgestellt, weil es herrlich erfrischend geschrieben wurde und Spaß macht zu lesen. Und es stellt eine mal ganz andere Variante vor, wie man die Kontrolle o.ä. aus dem normalen Alltag etwas ablegen kann.

      Das ist natürlich nicht für jedermann eine lustige Variante und wenn du etwas anderes bevorzugst, dann ist das doch auch wunderbar. Jedem das seine und jeder darf etwas Neues ausprobieren oder eben nicht 😊

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s